Was für ein schönes Bild, das Lukas im Evangelium dieses Festes zeichnet: Die freudig erregte Begegnung zweier Frauen, die einander möglichst schnell wiedersehen wollen. Sofort nachdem Maria von ihrer eigenen Schwangerschaft erfahren hat, macht sie sich auf den Weg zu ihrer Verwandten Elisabet. Auch Elisabet ist schwanger, bereits im sechsten Monat. Marias Reise hat einen einfach zu durchschauenden Zweck: Sie wird für drei Monate, bis zu Elisabets Geburt bleiben. Wer sollte es denn besser verstehen als die ebenfalls schwangere Maria, ihrer Verwandten in dieser Situation beizustehen? Hier treffen wir zwei Frauen an, deren Verhältnis von Vertrauen geprägt ist: Freundinnen.
Freundinnen. Wieviele wirklich gute Freunde und Freundinnen haben Sie? Solche, mit denen Sie nicht nur über das Wetter plaudern, sondern zu denen Sie mit Freud und Leid kommen können?Nicht nur das Teilen von Leid, sondern auch sich gemeinsam von Herzen freuen ist ein Kennzeichen wirklicher Freundschaft. Wer freut sich mit Ihnen über ihre Erfolge und ihr Lebensglück? Ohne permanent auf Nachteile Ihrer momentanen Situation hinzuweisen und Ihnen Ihre Freude damit zu versauen?
Mitreißende Freude. Elisabets Freude über die Ankunft der Maria überträgt sich auf ihr Kind: Es „hüpft“ vor Freude. Die freudige Erregung einer werdenden Mutter greift auch auf das Kind über. Freude reißt mit. Kennen auch Sie Menschen, die sich so unwiderstehlich herzlich freuen können, dass Sie nicht widerstehen, sich einfach mitfreuen müssen?
Gleiche Erfahrungen. Maria und Elisabet haben einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund, der ihnen das einander-Verstehen besonders leicht macht. Unsere eigenen Erfahrungen sind manchmal förderlich, manchmal aber auch hinderlich beim Verstehen anderer. Denn nichts beeinflusst uns mehr als die von uns selber gemachten Erfahrungen. Es gehört viel Einfühlungsvermögen dazu, sich auf uns unbekannte Erfahrungen anderer einzulassen und zu versuchen, ein Stück des Weges mitzugehen.
Freude von Gott. Im Segensspruch der Elisabet und im jubelnden Lobpreis der Maria gewinnt das Evangelium eine theologische Tiefendimension. Das Magnifikat besingt etwas Außerordentliches: Hier und jetzt nimmt Gott sich der Seinen an. Jene, die Bedarf an Heil haben, werden es bekommen. Denn jetzt kommt Gott in unsere Welt. Und wenn Gott heil-voll in unsere Lebensgeschichte hereinbricht, was gäbe es da Passenderes als vor Freude zu singen und zu jubeln?