Nachwuchsmangel – das ist der Grund, warum die Borromäerinnen von Linz ihr Altenheim an die Caritas übergeben.
„Es wird“, seufzt Schwester Konradine an der Pforte, „schon Gottes Wille sein“. Also hat auch sie sich damit abgefunden. Die Koffer der elf Schwestern sind großteils gepackt. Am 20. Dezember feiern sie Abschied von Linz. Einige der werden im ordenseigenen Heim in Rodaun bei Wien nun selbst ihren Lebensabend verbringen, die noch rüstig genug sind, werden in Wien weiterarbeiten.
Die Borromäerinnen geben nach 102 Jahren ihre Niederlassung in der Bethlehemstraße in Linz auf. Hier haben sie ein Altenheim geführt. Die Erfordernisse der heutigen Zeit verlangen nach einer Modernisierung. Das können die Schwestern nicht mehr leisten. Zu wenige sind sie geworden. So übernimmt mit Ende des Jahres die Caritas das Haus. Die Bewohner und das Personal des jetzigen Heimes werden übernommen, ein neues Heim soll errichtet werden.„Humanitätsmedaille der Stadt Linz 1992“ ist auf einer Urkunde im Stiegenhaus zu lesen. Die Menschlichkeit in diesem kirchlichen Haus fand öffentliche Anerkennung.
Ursprünglich ein Haus für junge Fabriksarbeiterinnen
1887 kamen die Borromäerinnen nach Linz. In der Hafnerstraße haben sie damals ein Heim für junge Fabriksarbeiterinnen geführt. Wo die soziale Not ist, dort sollen auch die Schwestern sein, so entspricht es dem Ordensziel und so erzählt es Sr. Felicitas Breitwieser, die letzte Oberin der Borromäerinnen von Linz. Sie tragen ja auch den Namen „Barmherzige Schwestern des Heiligen Karl Borromäus“, nicht zu verwechseln mit den „Barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz v. Paul“, die das Krankenhaus in Linz führen. Damals waren es Mädchen vom Land, die in der Stadt Unterkunft brauchten.1897 wurde das heutige Haus der Borromäerinnen in der Bethlehemstraße errichtet. Auch hier wohnten zunächst Jugendliche, ab 1901 kam zur Betreuung der Jugendlichen das Altenheim dazu.Schweren Herzens nehmen die Schwestern auch Abschied von der Hauskapelle im ersten Stock. Kaum ein Linzer kennt diesen Gottesdienstraum, dabei ist er ein höchst bemerkenswertes kulturelles Zeugnis der Jahrhundertwende.
1938 beschlagnahmt
Sr. Eberharda Aigner hat es miterlebt, als 1938 das Haus von den Nationalsozialisten enteignet wurde. Damals arbeitete sie als Hausmädchen bei den Schwestern. Im April 1938 wurde das Haus für den Reichsarbeitsdienst beschlagnahmt, die sechs oder sieben Schwestern – so genau weiß es Sr. Eberharda nicht mehr – mussten das Heim innerhalb von vier Wochen räumen.
Aus der neugotischen Kapelle im ersten Stock wurde ein Mehrzweckraum. Als ob schon jemand eine Ahnung gehabt hätte, dass die „neue Zeit“ eine vorübergehende wäre, hat man den Altar damals nur mit einer Bretterwand verschlagen. So blieb die Kapelle bis heute im Originalzustand erhalten.
Nach dem Krieg trat das frühere Hausmädchen in den Orden ein. Eine Zeitlang wirkte Sr. Eberharda in Mexiko in der Mission. 1945 wurde eine Station des Allgemeinen Krankenhauses im früheren Altenheim untergebracht, im Jahr darauf kamen die Schwestern zurück. 1986 entstand ein Neubau. 110 alte Menschen wohnen seither hier bei den Borromäerinnen.
„Wenn wir gehen, gehen wir mit großer Dankbarkeit“, sagt Oberin Sr. Felicitas. Dass die alten Menschen vom selben Personal weiterhin betreut werden, wird einen zu großen Beziehungsbruch vermeiden helfen, ist sie zuversichtlich.