Schwerhörige fühlen sich zunehmend isoliert und einsam. Selbsthilfegruppen und Pfarren versuchen aus der Isolierung zu helfen.Wie ein neues Leben war es für Bernadette Heneckl, als endlich das richtige Hörgerät gefunden und für ihre Person angepasst war. Endlich wieder mit anderen Leuten ohne Angst reden können, endlich wieder mitbekommen, was um einen herum geschieht! Die Freude über die neuen Perspektiven des Lebens wollte Bernadette Heneckl nicht für sich allein behalten. Sie gründete eine Selbsthilfegruppe für schwerhörige Menschen, deren Angehörige und Freunde. Jeden letzten Mittwoch im Monat trifft sich die Gruppe im Pfarrsaal der Stadtpfarre Urfahr in Linz. Schwerhörigkeit ist eine sehr komplizierte Behinderung. Das Krankheitsbild ist bei den einzelnen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Behandlung und das Anpassen eines Hörgerätes verlangen viel Geduld und Zeit. Die Folge: Bei vielen landet die Hörhilfe bald ungenutzt im Nachtkästchen, weil die ursprünglichen hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden.
Pfarren können etwas tun
30 Prozent der Menschen über 60 Jahre sind merklich hörbeeinträchtigt. Die Stadtpfarre Urfahr will für diese Menschen etwas tun, denn „besser hören bedeutet besser leben“, ist Pfarrer Mag. Helmut Part überzeugt. Es geht um ein genaueres Verstehen der wirklichen Probleme von Schwerhörigen, sodass bessere Kommunikation möglich wird.In manchen Pfarren ist man sich des Problems der Schwerhörigen bewusst und hat „Induktionsschleifen“ in der Kirche eingebaut. Gottesdienstbesuchern mit entsprechendem Hörgerät sollte so das Mitfeiern erleichtert werden.Technik allein ist aber nur ein erster Schritt. Schwerhörige versuchen ihre Schwerhörigkeit oft verschämt zu verbergen. Einsamkeit ist die Folge. In der St.Franziskus-Pfarre in Braunau gibt es auch eine Induktionsanlage. Ein entsprechendes Zeichen an der Kirchentür weist darauf hin. Waltraud Krenn, selbst schwerhörig, hat in Braunau eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Jeden zweiten Montag im Monat gibt es ein Treffen der Gruppe im Stüberl des Pfarrzentrums. In geschützter Atmosphäre sollen Schwerhörige reden können und über Hörhilfen informiert werden. Ärzte und Akustiker beraten dabei.
Auch in Vöcklabruck wird es ab Februar eine Selbsthilfegruppe geben. Helene Lehner hat die Initiative ergriffen. Sie war Geschäftsführerin in einer Tischlerei mit 40 Leuten. Die zunehmende Schwerhörigkeit machte ihr immer mehr zu schaffen. Mit einzelnen Menschen kann man vielleicht noch gut reden, wenn man auf den Mund schauen kann. Doch in einer Gruppe bekommt man fast gar nichts mehr mit. Bernadette Heneckl hat Helene Lehner geholfen, mit ihrer Schwerhörigkeit zurechtzukommen. Jetzt will sie diese positive Erfahrung auch an andere im Bezirk Vöcklabruck weitergeben. Die Gebietskrankenkasse stellt dafür einen Raum zur Verfügung.
Kontaktadressen: Selbsthilfegruppe Bezirk Vöcklabruck, Helene Lehner, Tel. 07672/236 13.
Selbsthilfegruppe mit Bernadette Heneckl, Linz, Tel. 0732/65 14 25. Nächste Treffen am 26. Jänner, 23. Februar, 29. März, jeweils 19 Uhr im Pfarrheim der Stadtpfarre Urfahr.
Selbsthilfegruppe in Braunau-St.Franziskus mit Waltraud Krenn, Treffen jeden 2. Montag im Monat im Pfarrzentrum. Tel. 07722/680 74.