Ein seit Jahren schwelender Streit zwischen dem Vatikan und den englischsprachigen Ortskirchen hat sich verschärft. Konkret geht es dabei um die Arbeit der Internationalen Kommission für die englische Sprache in der Liturgie (ICEL), der neben Fachtheologen auch elf Bischöfe aus England, Schottland, den USA, Australien und Südafrika angehören. Die von der Kommission in zehnjähriger Arbeit erstellte neue Übersetzung liturgischer Texte (Messe, Weiheriten etc.) wird vom Präfekten der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Jorge Medina Estevez, heftig kritisiert. Medina wirft der ICEL „ungebührliche Unabhängigkeit“ vor und zu wenig Bereitschaft, auf römische Korrekturwünsche einzugehen. Ohne von Medina ausdrücklich benannt zu werden, dürfte der Hauptstreitpunkt die sogenannte „inclusive language“ sein. Darunter versteht man das Vermeiden rein männlicher Begriffe, wenn beide Geschlechter gemeint sind. Nun fährt Kardinal Mendes schweres Geschütz auf. Er will die Kontrolle über ICEL übernehmen. Namhafte Bischöfe weisen diesen Versuch vatikanischer Machtübernahme zurück. Derzeit liegt die Verantwortung für die liturgischen Texte bei den jeweiligen Bischofskonferenzen. Sie allein entscheiden, ob ICEL-Texte – nach Vorlage in Rom – approbiert werden oder nicht.