„Ja, ich mag ihn. Ich mag ihn wirklich.“ Mit diesen Worten beschreibt Sr. Pallotti Findenig ihre Beziehung zu Jesus.
Unterwegs im IC-Zug von Bregenz über Innsbruck nach Schwarzach-St. Veit. Zeit zum Meditieren, während Landschaften, Dörfer, Städte vorbeiziehen. Ich lasse mein Leben vorbeiziehen, dieses mein Unterwegs-Sein, dessen Anfang ich nicht mitbekommen habe und von dessen Ende ich nicht weiß, wie es sein wird. Unterwegs mit Jesus? Ja, natürlich, ER ist mit mir unterwegs. Glaubend weiß ich dies. ER ist einmal bewusst in mein Leben getreten, nachdem ich in eine christliche Gesellschaft und von den Wurzeln her christliche Familie hineingeboren worden war. „Jesuskindlein komm zu mir, mach ein frommes Kind aus mir, mein Herz ist klein, darf niemand hinein, als du mein liebes Jesulein“, hatte meine Mutter mit uns gebetet. Unbewusst hat meine Schwester dabei immer gestockt: Darf niemand ins Herz außer Jesus? Sein Herz hatte niemanden ausgeschlossen, und sein Wille ist es, dass wir ebenso umfassend lieben.
Sehr anspruchsvoll
Ich war zu manchen Zeiten ein frommes Kind gewesen. Mit zehn Jahren hatte ich meine ganze Schulklasse öfters motivieren können, mit mir in die nahegelegene Kirche zu gehen und ein Gesetz vom Rosenkranz zu beten. Aber Jesus? Ich wüsste nicht, dass ich eine besondere Beziehung zu ihm gehabt hätte – auch nicht durch die Erstkommunion. Im Alter von 15 Jahren half mir die KAJ, das Neue Testament und damit Jesus zu entdecken. Immer lief dies über Beziehungen: zu Kaplänen, zu jungen Menschen, die ihren Glauben für mich überzeugend lebten. Ich gewann diesen Jesus lieb. Wobei ich sehr scheu bin, über Liebe zu Jesus zu sprechen. Irgendwie klingt dies für mich sehr anspruchsvoll. (In unserer Gesellschaft ist es, so kommt mir vor, überhaupt eher „in“, von sexuellen Erlebnissen zu sprechen, als von religiösen …) >Auf einem Poster für Jesus-Jeans stand unter der Darstellung einer jungen, attraktiven Frau, die in jeder Hinsicht knappe Jeans trug: „He, who loves me, follows me.“ Damit wollte offensichtlich nicht für die Nachfolge Jesu geworben werden, wie sie aus christlicher Tradition in den Ordensgemeinschaften gepflogen wird, sondern für das Produkt. Andere Reize als die ewiggültigen wurden eingesetzt und sollten Zuneigung erwecken. Und doch hat Jesus-Nachfolge mit Zuneigung zu tun und ist ohne Liebe nicht möglich. Ich bin in jugendlicher Begeisterung aufgebrochen – ohne mystisches Erlebnis – aber im Innersten gewiss, dass ich mein Leben nicht wegwerfe, wenn ich eine Antwort auf diese Liebe gebe, die mir zugefallen ist. Ich wollte nie und will es auch jetzt noch nicht, dass von mir als einer Ordensfrau von einer „Braut Christi“ gesprochen wird. Diese Ausdrucksweise ist keine umgangssprachliche und verlangt eine Einbettung in eine Gebetsatmosphäre, die weitgehend nicht vorhanden ist. So klingt der Ausdruck eher lächerlich und erinnert an kitschige Nonnenfilme.
Also doch aus Liebe
Vor meiner Profess wurde ich – wie es dem Kirchenrecht entsprach – von einem dafür bestellten Priester befragt, aus welchen Motiven ich in unsere Gemeinschaft eingetreten sei. Ich antwortete Verschiedenes, worauf er zusammenfasste: „Also aus Liebe zu Jesus.“ Ich fühlte mich gründlich missverstanden, aber er gab es zu Protokoll.Viel später wurde mir klar, dass er Recht gehabt hatte. Ja, ich liebe Jesus. Ich liebe den Jesus, der einen Blick für Zachäus hatte und mit ihm nach Hause ging. Ich liebe den Jesus, der ohne Rücksicht auf Konventionen die Frau am Brunnen anredete und ihrer Sehnsucht zur Erfüllung half. Ich liebe den Jesus, der den Petrus nicht fallen ließ. Ich liebe den Jesus, der die Grenzen seiner Familie auf alle Glaubenden ausweitete, der Bedürftigkeit zugeben konnte, der lernen konnte von der Fremden aus Tyrus, der liebte ohne Besitzansprüche, der genießen und feiern konnte, der Mensch unter Menschen war und dem dies genügte. Ja, ich liebe Jesus, immer noch – und kann wie Sancho Pansa im „Mann von la Mancha“ sagen: „Ich mag ihn, ich mag ihn wirklich.“ Ihn, der mich sendet – wie eine Maria von Magdala – zu bezeugen, dass er lebt und unter uns leben will.
Bedenk-Text
Von der Sonnenblume möchte ich lernen, wie ich Dir mein Gesichtzuwende.
Aus: Christine Busta, Wenn du das Wappen der Liebe malst …
Eine Lieblingsstelle aus der Bibel ist für mich immer wieder und immer neu das 4. Kapitel aus dem Johannesevangelium, das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.