Ungewöhnliche Erinnerungswege im Rahmen einer Ausstellung
Ausgabe: 2000/03, Nazionalsozialismus, Neue Galerie, Ausstellung
18.01.2000
- Elisabeth Leitner
Neue Zugänge zur schwer fassbaren Zeit des Nationalsozialismus möchte eine Ausstellung ermöglichen, die dieser Tage in der Landesgalerie Oberösterreich eröffnet wurde.
Erinnerungen an damals ... – für viele ältere Menschen gehören Kriegserfahrungen zur täglichen Erinnerungsarbeit. Noch immer leben heute manche der 70-, 80,- 90-Jährigen in einer Welt, in der das Wort zum Tag mit dem Satz „Damals im Krieg ...“ eröffnet wird. Für manche ist die Erinnerung an damals unliebsame, oft auch unnötige Auffrischung alter Wunden. Die Ausstellung mit dem Titel „... vor mehr als einem halben Jahrhundert – Positionen zeitgenössischer Kunst zur Erinnerung“ widmet sich dem Phänomen „Erinnerung“, besonders der Erinnerung an die NS-Zeit. Nicht durch das Erheben des moralischen Zeigefingers, nicht durch ein laut hinausposauntes „Niemals vergessen“ soll die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in die Wege geleitet werden. Wesentliches Anliegen der Ausstellung ist es vielmehr, durch neue Ansätze eine bislang unbekannte Qualität des Verstehens beim Ausstellungsbesucher zu ermöglichen Acht Rauminstallationen von acht Künstlern aus Deutschland, Irland, den USA und Österreich sollen neue Erinnerungswege eröffnen. Ein Beispiel dafür ist der kitschig gefärbte „Erinnerungsraum“ des israelischen Künstlers Oz Almog, der einen ungewöhnlichen Videoclip präsentiert. Anders Norbert Hinterberger (Ö), er hat Hitlers Architekturmodell der Stadt Linz zu einer begehbaren Skulptur umgeformt, mit Laub aus dem Konzentrationslager Buchenwald ist das Modell gefüllt. Die MonumentalbautenHitlers auf verwelkenden Blättern – ein einprägsames Bild. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten (siehe unten), ein Katalog mit wissenschaftlichen Beiträgen und der Dokumentation dieses Ausstellungsprojekts ist zum Preis von S 270,– in der Landesgalerie erhältlich.
Programm
Künstlergespräche: Mit jeweils zwei an der Ausstellung beteiligten Künstlern gibt es ein Künstlergespräch, die nächsten Termine sind: Do., 27. Jänner, 19 Uhr: Horst Hoheisel, Andreas Knitz – Wolfram Kastner Do., 3. Februar, 19 Uhr: Herbert Friedl – Ziva Kronzon
Jazzwochenende: Gemeinsam mit dem OÖ Landesmusikschulwerk findet am 5./6. Februar ein Jazzwochenende mit einer oö. Jazzformation statt, gespielt wird die in der NS-Zeit verpönte Jazzmusik.
Traumwerkstatt: Nach einem Rundgang durch die Ausstellung können Erwachsene und Kinder in der Traumwerkstatt künstlerisch tätig sein. Termine unter: 0732/77 44 82-49, Anmeldung ist erforderlich.
Alle Veranstaltungen finden in der Landesgalerie OÖ, Museumstr. 14, 4010 Linz, statt.