Abschied: Erzbischof Dr. Alois Wagner war prominenter Teilnehmer beim Abschluss-Danke an die Passage-Kaufhaus-Belegschaft am 17. Jänner 2000.
Auch Alt-AK-Präsident Fritz Freyschlag und Gewerkschafts-Vertreter waren gekommen.
Die 90 Mitarbeiterinnen (die Männer sind an einer Hand abzuzählen) haben es aus der Zeitung erfahren, dass sie gekündigt werden, dass es aus ist. Es war November 1999.Die Stimmung ist dementsprechend niedergeschlagen im Jänner 2000 – wenige Tage, bevor die Tore endgültig schließen. Die Wochen her und her waren für die Konsumenten ein Fest des billigen Einkaufes, geprägt von der laufenden Senkung der Rabatte. Zunächst war alles um 30 % billiger, dann um 50 %, 60 %, ja 70 %. Das Passage-Kaufhaus beschleunigte innerhalb weniger Wochen von 0 auf 70, um schließlich beim Personalabbau 100 zu erreichen. Was den einen ein Fest war, ist für die Menschen auf der anderen Seite, hinter dem Verkaufstisch, eine Tragödie der ungewissen Zukunft.
Betriebsrats-Vorsitzende Melanie Führlinger konnte den Zorn und die Enttäuschung nicht zurückhalten, als sich die Kirchenzeitung zum vereinbarten Gespräch einfand: „Da gibt’s nichts zu sagen. Wir stehen auf der Straße . . . Geholfen hat uns niemand, wir waren auf uns allein gestellt . . . “ Menschlich ein Wahnsinn – so viel kam durch.
Vor 35 Jahren hat sie den Dienst im Passage-Kaufhaus angetreten. 1963 war es als das moderne Großkaufhaus an der Landstraße in Linz nahe dem Taubenmarkt eröffnet worden. Unzählige KäuferInnen kamen seither Tag für Tag ins Geschäft, in dem es fast alles unter einem Dach gab – vom Schmuck über Zeitschriften, Bücher, Elektronik, Spielwaren, Lebensmittel, Confisserie, Haushaltsgeräte, Restaurant . . .
Das Passage steht aber auch noch für andere Linz-Erfahrungen: Wie viele Schüler werden in den jungen Passage-Jahren, wenn sie Linz-Woche hatten, hier ihre ersten Rolltreppen-Erfahrungen gemacht haben? Wie viele Sandler werden sich im Eingangsbereich gewärmt haben? Wie viele Menschen werden sich hier beim Würstelstand davor begegnet?
Das Einkaufen unter einem Dach, das Rolltreppen-Fahren, das Wärmen der Sandler, das multikulturelle Würstel-Essen und vieles mehr werden bald Vergangenheit sein. Viel härter trifft es die Mitarbeiterinnen, die jetzt ohne Zukunft sind oder deren Zukunft ganz vage ist. Ja, da gibt es, wenn das Passage in anderer Form wieder eröffnet, die Chance, neue Arbeit zu bekommen – nicht für alle, aber doch. Jedenfalls wird man darum kämpfen, so die Betriebsrätin.
Die Geschäftsleitung hat beschlossen: Das Passage ist nicht mehr rentabel. Die Mitarbeiterinnen erleiden den Beschluss, eine andere Rolle haben sie nicht. Drei und vier Jahrzehnte haben einige von ihnen für Rentabilität gesorgt, jetzt sind sie zum unretablen Posten geworden. So schnell und ohne Sentimentalität geht das im Geschäftsleben. Die Betriebsseelsorge, der ÖGB und die Privatangestellten-Gewerkschaft haben dieses schnelle und lautlose Über-die-Bühne-Bringen nicht akzeptieren wollen. Sie organisierten am 17. Jänner einen Danke-Abschluss. „Nach Fest ist keinem zumute“, kommentierten zwei MitarbeiterInnen im halb leer gewühlten und gekauften Minus-70 %-Kaufhaus. Alles ist schon Abbruch, Wegbruch des früheren Glanzes. Angespannt, traurig und teilweise auch zornig versehen die Mitarbeiterinnen in diesen letzten Tagen ihren Dienst.
„Den Schluss miterleben ist das Ärgste, das mir passieren konnte“, sagte eine Verkäuferin.
STICHWORT
Das Passage-Kaufhaus
1963 wurde das Passage-Kaufhaus in Linz eröffnet. Es hat in den besten Zeiten bis zu 500 Frauen und Männer beschäftigt. Die eigene Belegschaft ist bis zur Schließung auf ca. 90 MitarbeiterInnen geschrumpft. Die eingemieteten Geschäfte SPAR und Sport Experts haben etwa weiteren 60 Personen Arbeit gegeben.Am 22. Jänner 2000 schließt das Passage. Bis auf die tragenden Elemente wird es abgerissen und neu gebaut. Die Fassade wird sich stark ändern. Am 28. September 2000 soll das neue Gebäude als Einkaufszentrum eröffnet werden. Es wird mehrere Betriebe und einige „Leitbetriebe“, darunter einen großen SPAR-Markt, beherbergen Etwa 450 Arbeitsplätze wird es im neuen Einkaufszentrum geben. Das sind um ca. 300 mehr, als derzeit beschäftigt sind. Dietmar Dutzler, der Geschäftsführer von „Passage“, sieht genau darin das überzeugendste Argument für die Vorgangsweise von Gerngross, dem bisherigen Inhaber, der sich an der Betreiber-Gesellschaft beteiligen wird: „Bei Vermietung können wir den Standort längerfristig absichern.“Für die nun gekündigten Mitarbeiter/innen gebe es eine Empfehlung an die neuen Firmen, sie wieder einzustellen. Spar habe auch tatsächlich Bewerbungsbogen ausgeschickt.