Die durchschnittliche Lesedauer beträgt täglich 34 Minuten
Ausgabe: 2000/04, Lesen, Bibliothek, Zweitbuch
25.01.2000
- Elisabeth Leitner
Das Medienverhalten der ÖsterreicherInnen wird von Zeit zu Zeit kritisch beäugt. Fernseher, Videogames und Internet machen dem Buch Konkurrenz. Der Untergang der Buchkultur steht dennoch nicht bevor.
Im deutschen Sprachraum sind zur Zeit 800.000 Titel lieferbar, 90.000 Neuerscheinungen kommen jährlich auf den Markt. Der Anteil der ÖsterreicherInnen, die zumindest wöchentlich Bücher lesen ist im Vergleich zu den 70er Jahren von 29 Prozent auf 42 Prozent angestiegen, die Zahl der NichtleserInnen von 43 Prozent auf 33 Prozent gesunken. Die Lesedauer hat sich allerdings verkürzt: während man sich 1987 noch 40 Minuten der Lektüre widmete, waren es zehn Jahre später nur noch 34 Minuten (durchschnittliche Fernsehdauer heute: 140 Minuten). Unterschiede beim Lesepublikum lassen sich in mehrerer Hinsicht feststellen: intensive BuchleserInnen finden sich in Bevölkerungsgruppen mit einer höheren Ausbildung, Frauen greifen generell viel häufiger zum Buch als Männer. (Verpflichtende) Schullektüre sorgt bei Jugendlichen dafür, dass der sogenannte „Leseknick“ erst nach Beendigung der Ausbildung einsetzt. Das geeignete Lesematerial besorgt sich ein Drittel der ÖsterreicherInnen in Bibliotheken. Der Buchhandel oder private Verleih im Familien- und Freundeskreis sind ebenfalls gern genützte Gelegenheiten, an begehrte Lektüre zu kommen. Die katholischen Bibliotheken verstehen sich selbst als „Orte der Orientierung“, die mehr als „nur“ Lesestoff anbieten. Neben einem attraktiven Bücherbestand sollen die LeserInnen auch durch „non-book“-Angebote wie CD-Roms, die Möglichkeit zum Internet-Surfen oder einem Spiele-Verleih in die Bibliothek gelockt werden. Das „Österreichischische Bibliothekswerk“ (ÖBW) ist ein Forum katholischer Bibliotheken und als solches auch im Internet vertreten (www.biblio.at), u. a. werdendort als Service für LeserInnen jährlich 2000 Buchbesprechungen „online“ angeboten. Hintergrund-Informationen über die österreichische Bibliotheksarbeit liefert das erst kürzlich erschienene Arbeitsbuch „Praxis: Bibliothek“. Grundlagen der Bibliotheksarbeit und Erfahrungsberichte werden darin u.a. vorgestellt. Die 5200 Mitarbeiter/innen im Österreichischen Bibliothekswerk sind überzeugt, dass Bücher noch lange nicht ausgedient haben: „Menschen brauchen Bibliotheken, die Antworten auf die Neugierde haben, auf die Sehnsucht nach Orientierung, auf die latente Frage nach Sinn“ – so lautet auch die Leitlinie für die nächsten Jahre.
Das Arbeitsbuch „Praxis:Bibliothek“ kann zum Preis von S 120,– unter folgender Adresse bezogen werden: ÖBW, Elisabethstr. 10, 5020 Salzburg.