Ein Bild an der Wand ist einsam ohne Publikum – und wirkungslos
Ausgabe: 2000/05, Augenstücke, Leisch-Kiesl
01.02.2000
- Elisabeth Leitner
Seit 1997 sind zwei Kuratoren im Auftrag der Stadt Linz für den Ankauf von Kunstwerken verantwortlich. Die Ausstellung „augenstücke“ präsentiert nun die Werke jünger Künstler/innen.
Im 1. Stock des Stadtmuseums Nordico beginnen sich die Räume allmählich mit Menschen zu füllen. Die zu einer gemeinsamen Schau arrangierten Kunstwerke verschiedener Künstler/innen sind auch erst seit kurzem hier versammelt. An den Wänden Fotografien, Ölmalereien, Grafiken, vereinzelt sieht man Werke aus Ton, eine Rauminstallation, ein „Seelentröster“ in Form einer Wärmeflasche hängt von der Decke ... Es folgt: Eröffnung, Begrüßung, Einführung, Betrachten der Exponate. Von 1997 bis 1998 haben Prof. DDr. Monika Leisch-Kiesl und Mag. Peter Kraml im Auftrag der Stadt Linz Kunstwerke „eingekauft“, jährlich stand dafür beiden Kuratoren gemeinsam ein Budget von S 340.000,– zur Verfügung. Einen Kriterienkatalog für den Ankauf gab es nicht, nur Werke junger Künstler/innen, die einen nicht näher definierten Bezug zu Linz haben, sollten es sein. Dementsprechend bunt und vielfältig ist die Ausstellung. Einige Merkmale lassen sich dennoch feststellen, wie Kunstprofessorin Monika Leisch-Kiesl im Gespräch erläutert: „Kunst spricht heute in vielen Sprachen. Es gibt heute so viele Medien: Computer, Video, Objekte, Architektur ... Neue Kunst spiegelt die Medienvielfalt der heutigen Zeit wider, denn Kunst ist eben nicht nur schöne Landschaft.“
Was sagt uns die Kunst
Vor dem Hintergrund der „virtual reality“ – einer Lebenswelt, die von Computer und Internet bestimmt ist – stellen Kunstschaffende erneut die Frage nach dem Körperlichen und Gegenständlichen. Berechtigt scheint die Frage, ob „ die virtual reality bald die Wirklichkeit ersetzt“. Die neue Körperlichkeit wird nicht in großformatigen Aktbildern, sondern fragmentarisch und in Ausschnitten dargestellt und zeigt so das „Bruchstückhafte des Lebens“. Wichtig ist für Leisch-Kiesl der Dialog zwischen Kunst und Publikum: „Solange das Bild nur an der Wand hängt und nicht gesehen wird, kann es nicht wirken. Die Kunst braucht das Publikum und umgekehrt.“ Auch das bewusst zu machen, ist ein Anliegen der Ausstellung. Die Frage nach der „Wahrheit der Kunst“, die immer wieder gestellt wird (nicht nur in unserem Jahrhundert), möchte M. Leisch-Kiesl „kommunikativ“ beantworten, berechtigt ist es daher zu fragen: „Hat die Kunst etwas zu sagen und was hat sie uns zu sagen.“ Dass sie nicht allen das Gleiche sagt und daher für Auseinandersetzung sorgt, macht Kunst – wie diese Ausstellung zeigt – spannend. “augenstücke“, Nordico. Bis 27.2.2000.