Faszinierende virtuelle Welten bergen auch reale Gefahren in sich
Ausgabe: 2000/05, Internet
01.02.2000
- Maria Haunschmidt
Als „voll lässig“ bezeichnen Jürgen und Simon – zwei jugendliche Computerfreaks – das Internet.
Süchtig nach dem „WorldWideWeb“? Das weisen sie entrüstet von sich, aber dass dies grundsätzlich möglich ist, können sie sich schon vorstellen ... Nicht nur das Surfen nach Infos sei cool, sondern vor allem das Chatten (Miteinanderplaudern). Dabei tauschen sie sich mit anderen jungen Menschen wie in realen Räumen aus – und können in die Kontakte auch viel Fantasie und „Schmäh“ einfließen lassen. Tatsächlich taucht zu den bekannten Gefahren, die seit langem diskutiert werden, wie rechtsextreme Propaganda und pornographische Inhalte (die unübersichtliche Struktur des Internets macht eine Kontrolle fast unmöglich), schon ein neues Problem am virtuellen Horizont auf: die Online-Sucht. Nach einer britischen Studie zerstört sie sogar Familien. Väter, Mütter, Söhne, Töchter vergessen über das weltweite Netz ihre soziale Umwelt. Nach Erfahrungen im Ausland – USA, Großbritannien und Deutschland – kann die Sucht nach Surfen, Chat-Rooms und elektronischen Spielen alle Schichten und Altersgruppen packen – Schüler wie Pensionisten, Frauen wie Männer. In den USA gehört Online-Sucht seit zwei Jahren zu den anerkannten Süchten. In Deutschland bestehen seit einem halben Jahr Selbsthilfegruppen. Man ist dabei nicht gegen das Internet, aber für einen gemäßigten Umgang mit dem neuen Medium, damit die Betroffenen sich nicht total von der Wirklichkeit abkapseln. Gründerin ist eine 44-jährige Frau, die die Situation mit der von Alkohol- und Spielsüchtigen vergleicht.
Vorbild zählt
Noch ist Online-Sucht bei uns kein vordergründiges Thema. In der Beratung taucht es eher noch am Rand familiärer Probleme auf, weiß die dazu befragte Familien- und Lebensberaterin Dr. Martha Schicho. Sie befürchtet allerdings, dass uns die Suchtgefahr vom Westen kommend auch erreichen wird. „Jede Sucht wird erst nach einer gewissen Zeit erkannt, sobald Angehörige darunter leiden. Wenn man zeitgerecht dagegensteuert, braucht es aber gar nicht so weit zu kommen!“, ermutigt sie Gefährdete zum maßvollen Umgang mit einem faszinierenden neuen Medium. Konkret heißt das für Eltern: die Kinder beobachten, wenn nötig Grenzen setzen und vor allem selber ein gutes und glaubhaftes Vorbild sein.
Internet: Weltweites Computer-Netzwerk, verbunden via Satellit oder Telefonkabel. Jede/r kann Inhalte anbieten oder abrufen. Internet-Provider: Verkauft Internetzugang, stellt Speicher für Internetseiten (Homepage) zur Verfügung. Internet-Benutzer (User): hat Zugang über Internet-Provider.Braucht nur einfache Software( (Browser), um Seiten, Bilder und Programme aus dem Internet zu kopieren. Web Site: Internetseiten eines Anbieters (Homepage). Word Wide Web: Netz solcher Angebote. E-Mail: System für Nachrichtenübermittlung.