Wer der Gottesvorstellung der Kinder auf der Spur ist, entdeckt viele Bilder aus dem Leben
Ausgabe: 2000/07, Gottesbild
15.02.2000
- Maria Haunschmidt
Ist Gott lieb, ist er streng? Wie sieht Gott aus? Als bergende Hand, als Licht oder mit der Weltkugel inmitten vieler Menschen – so sehen zahleiche Kinder Gott: Und: Jedes fünfte Mädchen sieht Gott als Frau.
Ein interessantes Phänomen: Das Gottesbild wird in den kindlichen Vorstellungen viel weniger von außen beeinflusst, als man gemeinhin annimmt. Auch Kinder, die nicht religiös erzogen wurden, tragen ein persönliches Bild von Gott in sich. Wenn Kinder dieses Bild zeichnen, dann drückt sich darin vordergründig ihre eigene Lebensgeschichte aus. Kinder haben ein Recht auf diese ihre ganz persönliche Gottesvorstellung. Um das Gottesbild ging es beim Diözesanleitungskreis der Kath. Jungschar der Diözese Linz mit dem Salzburger Religionspädagogen Univ. Prof. Dr. Anton Bucher als Hauptreferenten. „Kinder drücken ihre Erfahrungen mit Gott konkret über Bilder und Erzählungen aus und nicht über abstrakte Glaubenssätze“, sagt Mag. Monika Heilmann, geistl. Assistentin der Jungschar der Diözese Linz. Es wäre vermessen von den Großen diese kleinen Theolog/inn/en vorschnell zu korrigieren. Beispielsweise fallen Erwachsene gern in das Klischee des „lieben oder auf der anderen Seite des Opfer fordernden“ Gottes. Wie sollen Erwachsene mit all diesen Erkenntnissen umgehen? Das Kind ernst nehmen und es beständig in seinem Glaubensleben begleiten, ihm Ansprechpartner und Vorbild sein und so seinen Glauben fördern. Das ist eine dauernde Herausforderung für Erziehende, denn der Glaube ist kein „fertiges Paket“.
Im Hier und Heute
Wenn Gott immer wieder zur Sprache kommt und das Kind in seinem Fragen nach dem Woher und Wohin des Lebens offene und ehrliche Antworten erhält, dann verstummt es auch im Erwachsenenalter nicht. Diese positive Begleitung wirkt sich auf das Glaubensleben aus. Biblische Erzählungen und Geschichten mit christlichem Inhalt sind ein ganz wichtiges und bei Kindern sehr beliebtes Kommunikationsmittel zum Näherbringen des Glaubens. Die Jungschartagung verdeutlichte auch: Kinder sind nicht nur die Zukunft der Kirche, sondern vor allem auch ihre Gegenwart. Daher sollen sie weniger als künftige Gottesdienstbesucher gesehen werden, sondern im Hier und Jetzt zur Sprache kommen. Konkret, klar, einfach und verständlich soll die Sprache im Gottesdienst sein, so der Konsens. Im Mittelpunkt muss der kindliche Geschmack stehen, z. B. in Bezug auf kindgemäße Lieblingslieder und Texte.
Gottesbilder
- Ich habe blaue Augen und meine Schwester hat braune Augen und die Augen Gottes sollten sein wie die Augen von allen Menschen zusammen. Betsy, 9 Jahre
- Gott gehört jedem von uns. Er ist nicht nur weiß, braun oder schwarz. Er hat alle Farben der Haut. Es ist nicht leicht, ihn sich vorzustellenPatrick, 10 Jahre