Ungewöhnliches Theaterprojekt mit behinderten Menschen feiert Premiere
Ausgabe: 2000/07, Hartheim, Theater, Behinderte
15.02.2000
- Elisabeth Leitner
Sie treffen sich mehrmals wöchentlich, schlüpfen in ihre Rollen und sind großteils mit Begeisterung dabei: im Institut Hartheim bereiten sich behinderte und nicht-behinderte Menschen auf die baldige Theater-Premiere vor.
Am 25. Februar ist es soweit: was vor eineinhalb Jahren als Projekt begann und Szene für Szene in Workshops entstand, wird nun der Öffentlichkeit in einem Guss präsentiert und nennt sich „Hart.Heim.Suchung. Ein vermessenes Traumstück“. 13 behinderte Schauspieler/innen und zwei Schauspielerinnen als Gäste haben unter der Regie von Thomas Hinterberger ein Stück auf die Beine gestellt, dass zum einen Alltagserfahrungen, Träume und Ängste behinderter Menschen auf die Bühne bringt. In den Monologen einer „alten Frau“ wird aber auch die NS-Vergangenheit des Schlosses Hartheim als Vernichtungsstätte sogenannten „unwerten Lebens“ ins Stück hereingeholt.
330 Personen gehen zur Zeit im Institut Hartheim ein und aus: Menschen mit Behinderungen leben und/oder arbeiten dort, betätigen sich in ihrer Freizeit je nach Lust und Laune kreativ. Als eine Form der Freizeitgestaltung versteht man hier auch das Theaterspielen, das bei vielen das Selbstwertgefühl – besonders bei einer gelungenen Aufführung – steigern kann. Franz Mayer ist 30 Jahre alt und spielt im Stück gleich mehrere Rollen. Neben dem Königsmörder, Arzt und Bürgermeister mimt Franz auch die Braut. All das ist „nicht anstrengend, weil das merke ich mir leicht.“ Franz möchte, dass „... die Leute sehen, was wir alles spielen. Mir gefällt das, dass ich was lerne und dass mich die Nachbarn spielen sehen.“ Auch Elisabeth Brandstätter muss sich mehrere Rollen merken, aufgeregt ist sie dabei nicht, wie sie sagt. Beide wünschen sich, dass das Theaterprojekt eine Fortsetzung findet. Christine Wiesinger findet das viele Proben zwar mühsam, macht es aber gerne, obwohl „ ... es wieder genug ist mit dem Theater. Ich möchte wieder etwas anderes machen“, meint die behinderte Schauspielerin. Alle Schauspieler/innen sind auf der Bühne sehr gefordert, denn sie treten nicht nur als Statisten auf, sondern haben zum Teil tragende Rollen.
Auch der Amateur-Schauspielerin Anita Koplinger aus Alberndorf – sie ist erst seit Dezember bei den Proben dabei – verlangt dieses Stück einiges ab. „Ich habe hauptsächlich Monologe zu sprechen, bei denen viele Satzteile aneinander gereiht sind, die nicht zusammenhängen ... Die Zusammenarbeit mit Behinderten ist für mich ganz neu. Man darf keine Angst vor Nähe haben ... für den Regisseur ist das Proben aber oft ein Geduldsspiel. Denn wenn einer Hunger kriegt, dann geht er halt essen“, erzählt Anita Koplinger, der man ansieht, dass ihr das Proben Spass macht. Regisseur Thomas Hinterberger ist mit viel Idealismus und Engagement bei der Sache, nur die Hälfte dessen, was das Projekt kostet, wird von der öffentlichen Hand auch bezahlt. Für ihn ist das Theaterprojekt im Institut Hartheim ein Kunstprojekt wie jedes andere, nur braucht es halt länger Zeit.
Hart.Heim.Suchung.: textlich bearbeitet von Rudolf Habringer und Walter Kohl, Premiere: 25. 2. 2000, 19.30 Uhr. Weitere Termine: