Indonesierinnen gestalten Weltgebetstag der Frauen am 3. März
Ausgabe: 2000/08, Indonesien, Weltgebetstag
22.02.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Martina Waiblinger
Die 90-jährige Ni Made Rungu war unter den Ersten, die auf Bali getauft wurden. Und auf Sulawesi ist Pfarrerin Mariam mit dem Moped unterwegs. Zwei evangelische Frauen, die für ihren Glauben leben.
Mariam steigt auf ihr Moped, um zum Abendgottesdienst zu fahren. Und weil sie an diesem Wochenende stark beschäftigt ist, hat ihr Mann Abdi die beiden Töchter auf einen Ausflug mitgenommen. Sie sitzen auf seinem Schoß, quengeln, wollen etwas essen, nehmen ihm den Platz. „Das ist Gleichberechtigung“, meint er lächelnd. Aber der Pfarrer hat es so gewollt. „Ich möchte eine Pfarrerin heiraten“, hatte er einst zu Mariam gesagt. Die 35-jährige Mariam, in Zentralsulawesi aufgewachsen, verspürte als Lehrerin an der Sonntagsschule den starken Wunsch, mehr für die Gemeinde zu tun. Allen finanziellen Schwierigkeiten zum Trotz studierte sie Theologie. Nach der Schlussprüfung wurde sie Bezirkspfarrerin für drei Gemeinden. Deren Mitglieder, fast alle arme Tagelöhner, konnten ihr den Lohn manchmal nicht zahlen, aber das machte Mariam nichts aus. Denn sie wurde in den Gemeinden geschätzt und hier lernte sie, selbstständig zu arbeiten.
„Ich bin aufgewacht“
Anders bei ihrer zweiten Stelle. Einige der Kirchenältesten gehörten dem Stamm der Torajas an, in deren Kirche es nur wenige Pfarrerinnen gab. Mariam spürte die Ablehnung durch die Kirchenältesten: „Sie haben mich öffentlich schlecht gemacht. Im Stillen habe ich geweint. Aber durch diese Erfahrung bin ich auch aufgewacht. Ich habe mir gesagt: Auch das ist ein Teil meines Dienstes.“ In ihren Predigten, vor allem aber durch Gespräche mit Frauen versucht Mariam, Gewohntes in Frage zu stellen und ihre Überzeugung zu vermitteln, dass die Grundlage für die Gleichheit zwischen Mann und Frau die Bibel ist. Die Reaktion der Frauen ist positiv und negativ zugleich: „Sie fühlen sich verstanden, aber die Kraft der Kultur ist meist stärker. Hintenherum meckern sie, aber sie trauen sich nicht, den Mund aufzumachen.“ Wenn ihr Mann Abdi die Wäsche erledigte, während sie eine Predigt vorbereitet hat, kamen anfangs gleich die Nachbarinnen, um ihm zu helfen. Abdi steht aber zu dieser Arbeitsteilung. Damit ist er sicher eine Ausnahme.Mariam ist sensibilisiert für die Ungerechtigkeiten, die sie am eigenen Leib und bei anderen Frauen sieht. Sie empfindet die Kämpfe mit Kirchenleitungen als anstrengend und fühlt sich oft einsam. „Aber ich mache es nicht nur für mich alleine. Es ist eine Herausforderung, für die Gleichberechtigung einzustehen. Wir müssen endlich die Bibel mit den Augen der Frauen lesen und daraus Schlüsse für unser Leben als Christen ziehen.“ Ni Made Rungu ist eine der ersten Christinnen, die auf Bali getauft wurde. Die 90-Jährige lebt in Blimbingsari im Nordwesten der Insel. Als ihr Vater starb, wollte die Dorfgemeinschaft es nicht zulassen, dass der Christ auf dem hinduistischen Friedhof begraben werden sollte.
Alleine begonnen
Mit Bambusspeeren rückten sie an. Made Rungus Mann setzte sich auf das Grab, um es zu schützen. Und als die Dorfbewohner näher kamen, erhob er sich – plötzlich wichen alle zurück. Für die Christen war das ein Zeichen der Macht Gottes. Sie beschlossen, wegzugehen und kauften Land im malariaverseuchten Bergland.Hier gab es noch wilde Tiere, Affen und Wildschweine, Lebensmittel mussten anfangs die weite Strecke zu Fuß hergebracht werden. Made Rungu war die erste Frau, die hier anfing, und da ihr Mann in der Anfangszeit viel weg war, musste sie sich allein durchkämpfen. Bei ihren elf Geburten war nur einmal eine Hebamme dabei. „Wenn die Wehen einsetzten, kochte ich schnell Wasser ab und schnitt mir eine Bambusschere für die Nabelschnur“, erinnert sie sich.
Eigeninitiative
Frau Rungu sammelte die Frauen um sich, die sich nach und nach in Blimbingsari ansiedelten. Sie hielt Frauengottesdienste und Frauentreffen ab. Sie führte ein, dass alle beim Kochen eine Handvoll Reis, später ein kleines Geldstück zur Seite legen sollten. Diese Tradition hat dazu geführt, dass die Frauen heute ein eigenes Kreditsystem haben. Ni Made Rungu hat durch ihre Eigeninitiative viel für die Frauen und die Gemeinschaft dieser ersten Gemeinde getan. Voller Bescheidenheit erzählt sie ihre Geschichte, denn sie sieht sich in erster Linie als Ehefrau und Helferin eines der ersten Pfarrer der Kirche auf Bali. Und Frau Rungu trägt nur seinen Namen.