Zwölf Millionen koptische Christen leben in Ägypten. Doch wachsende Armut und islamischer Extremismus bedrohen die Kirche am Nil.
Allein das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Muslimen und Christen macht für Papst Johannes Paul II. die Reise vom 24. bis 26. Februar an den Nil zu einer heiklen Mission. Denn erst am 31. Dezember 1999 waren bei den seit Jahren schwersten religiös motivierten Zusammenstößen in El Kosheh, 400 Kilometer südlich von Kairo, 21 Christen getötet und 33 zum Teil schwer verletzt worden. Dutzende Geschäfte koptischer Besitzer gingen in Flammen auf. Drei Viertel der 23.000 Einwohner des oberägyptischen Dorfes sind Christen.
Verschweigen
Unter den bisher rund 160 Verhafteten, davon zahlreiche Christen, ist auch der Pfarrer von El Kosheh, Gabriel Abdel Masih. Sein Sohn war ebenfalls bei den Ausschreitungen getötet worden. Die sich widersprechenden Angaben, das Innenministerium in Kairo sprach zunächst von nur acht Toten, kirchliche Quellen berichteten von 21 Opfern, verdeutlichen die schwierige Situation. „Auch wenn offiziell immer wieder betont wird, dass in Ägypten religiöse Toleranz herrsche, so werden Christen im öffentlichen Leben benachteiligt“, berichtet Walter Trübswasser von der christlichen Menschenrechtsorganisation CSI. „Kopten werden von Militär und Polizei, Justiz oder Verwaltung systematisch ausgeschlossen.“Die Ursprünge des koptischen Christentums reichen zwar auf den Apostel Markus (um 60 nach Christus) zurück, und noch im 16. Jahrhundert stellten sie die Bevölkerungsmehrheit, doch in den Schulbüchern wird ihre Geschichte ausgeblendet. Ebenso heruntergespielt wird heute die Zahl der Mitglieder. Staatlichen Angaben zufolge leben sechs Millionen Kopten im Land, die Kirche geht von doppelt so vielen aus.
Extremismus
Nährboden für die Spannungen ist im Wesentlichen die wachsende Armut. Sowohl in den riesigen Elendsvierteln der Städte als auch in den rückständigen ländlichen Regionen – vor allem im Süden des Landes – finden islamische Fundamentalisten Gehör. Und je nach Dörfern und Regionen verschieden, gewinnen sie mit ihren religiösen und nationalistischen Parolen Einfluss. „Schon ein kleiner Streit unter Kindern kann zu einem handfesten Konflikt zwischen muslimischen und christlichen Familien führen. Viele versuchen deshalb, Streitigkeiten im Vorfeld zu unterbinden, indem sie die Kontakte abbrechen“, beschreibt der koptisch-katholische Bischof von Minya in Oberägypten, Antonios Naguib, die scheinbar ausweglose Situation. „Auf diese Weise wächst die Distanz in den eigentlich nachbarschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Muslimen und Christen.“Das angespannte Verhältnis zwischen beiden Religionen verbessern will der „Christliche Verein für Oberägypten“ (ACHE), der von koptischen Laien getragen wird. Die regierungsunabhängige Organisation, die von „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“ unterstützt wird, will durch Bildung zum Abbau der sozialen Spannungen beitragen. Das Besondere: Die Schulen stehen Kindern aller Konfessionen offen.
Die leuchtende Sonne auf dem Mosesberg
„Halleluja le’olam – preist Gott für immer.“ Es wird in der Erinnerung bleiben – jenes Lied, das uns entgegen klang, als wir in der allmählich heller werdenden Dämmerung den Gipfel des Sinai erreichten. Schulklassen saßen, in der Morgenkühle dicht aneinander gedrängt, auf den nackten Felsen und sangen voll Begeisterung „halleluja“. Rundum eine bunte Menge Menschen – aber sie stören nicht, niemand stört hier, schon gar nicht die deutsche Ärztin, die im Gebetsraum der Muslime Quartier bezog und in ihrem wallenden weißen Kleid mit ausgebreiteten Armen die Kommenden zu schalom, salam, peace, pace und Frieden aufruft. Dort gehört man zusammen. Denn unmittelbar bleibt nichts anderes, als in die Weite der Steppenlandschaft hinauszuschauen und zu warten: Jeden Augenblick wird sie erscheinen, die Sonne, am Horizont – bis sie endlich da ist. Und die leuchtende Sonne strahlt auf das Bergmassiv und beginnt zu erzählen: Historie wird zur Nebensache; umso lebendiger werden Geschichten: Mose begegnet mir und das Schicksal des wandernden Volkes, der große Elija und vor allem – das Wort des Gottes Israels. Hier ist es Fels geworden, sein für alle Zeit geltendes Wort, seine Weisung, die den Menschen liebend-werbend umschwärmt, die mahnt und richtet, die Aufbruch wagt und zu anderen Ufern ermutigt, durch die Wüste ins Land der Verheißung.Bald wird alles Erinnerung sein, Fotos und Filme werden Stimmungen festhalten und man wird erzählen von den Beduinen und den Kamelen, – vielleicht auch von Mose und Elija, von Seinem Wort und Seiner Weisung, die den Menschen liebend-werbend . . . Sie ist nicht gebunden an Felsen und Raum, auch nicht an steinerne Tafeln, steht sie doch geschrieben in unserem Herz. Sie lässt uns leben und Ihm ein Preislied singen für immer – „halleluja le’olam“.