Respektlose Jugendliche: Jugendberater nimmt Stellung zu Elternfragen
Ausgabe: 2000/08, Jugendberater
22.02.2000
- Sepp Hölzl
Die Pubertät bringt es mit sich, dass Jugendliche nicht ganz „rund“ sind.
Aus heiterem Himmel gibt es zu Hause Konflikte und dazu kommt, dass diese verbal heftigst ausgetragen werden, bis hin zu Beschimpfungen der Eltern. Das kränkt uns Eltern gleich einmal, denn wir hätten uns das nie getraut. Abgesehen davon, dass nach der neuesten Jugendstudie (Jugend 2000 in OÖ) die Mehrheit der Befragten ihr Verhältnis zu den Eltern als „gut“ oder gar „sehr gut“ bezeichnen, sind Konflikte in der Pubertät ganz normal und gehören ausgestanden bzw. durchgestanden. Ein Motto kann sein „Lieber jeden Tag einen – hoffentlich kleineren – Konflikt, als gar keine Kommunikation mehr.“ Konflikte sind Ausdruck eines lebendigen Ablösungsprozesses und als Eltern kommt man auch in die Rolle „Reibebaum“ zu sein. Das bringt Orientierung und Klarheit darüber, wie man dran ist. Vermeiden sollte man: Heranwachsenden „zu viel Reibebaum“ zu bieten, indem man abwertet bzw. ihre Werteverständnisse nicht ernst nimmt oder sie gar nicht erst anhört – Jugendliche wollen diskutieren. Nicht alle verbalen Entgleisungen sind gleich persönlich zu nehmen. Die Jugendlichen sollten aber wissen, wenn es den Eltern zu viel ist oder sie auch verletzend sind. Ein sogenannter „respektloser“ Umgang kann mehrere Signale beinhalten:
- Jugendliche erleben die Beziehung als tragfähig und trauen sich an die Grenzen zu gehen. - Manchmal ist es ein Spiegel dessen, wie Jugendliche von Erwachsenen behandelt oder gar bevormundet werden. - Gelegentlich ist es eine Aufforderung Grenzen zu ziehen bzw. als Eltern Farbe zu bekennen. - Der vertrauensvolle Umgang aus der Kindheit muss vorübergehend unterbrochen werden, denn sonst entsteht keine eigene Identität. - Übrigens ... verbale Duelle geben auch Energie und werden oft lustvoll erlebt.