Katholische Aktion: Rückzug nach heftigen Protesten
Aufruf zur Demonstration wurde von der Katholischen Aktion zurückgezogen
Ausgabe: 2000/08, KA, Demonstration, Rückzug
22.02.2000
- Matthäus Fellinger
Die Telefone in den Gliederungen der Katholischen Aktion (KA) liefen letzte Woche heiß. Viele verstanden nicht, warum das Präsidium der KA den Aufruf zur Demonstration vom 19. Februar unterstützte.
Am Montag, 14. Februa,r abends wurde im Präsidium der Katholischen Aktion nach eingehender Debatte abgestimmt. Eine Mehrheit stimmte für die Unterstützung des Aufrufs zur Demonstration. Am nächsten Tag begannen die Proteste. Mitglieder kündigten ihren Austritt an. Viele riefen auch bei der Kirchenzeitung an, um zu protestieren. Am Donnerstag sah sich die Katholische Männerbewegung veranlasst, sich vom Aufruf zu distanzieren, ihr Vertreter hatte auch im Präsidium nicht für den Aufruf gestimmt. „Eine Demonstration scheint uns in diesem Zusammenhang ein wenig geeignetes Mittel zu sein“, hieß es in der Erklärung. Das Wahlergebnis vom 3. Oktober 1999 müsse ebenso wie die daraus hervorgehende Regierung respektiert werden. Populismus und Rechtsextremismus werden in der Erklärung zurückgewiesen. Freitag nachmittag zog schließlich die Katholische Aktion als Ganze die Konsequenz aus den Protesten. „Wir mussten eingestehen, dass sich unsere Einschätzung nicht bewahrheitet hat.“ Einem von vielen geäußerten Vorwurf, die Katholische Aktion ließe sich parteipolitisch missbrauchen, entgegnet Margit Hauft: „Von Anfang ist es uns nicht um eine parteipolitische Motivation gegangen, wir wollten nicht gegen jemanden demonstrieren, sondern für etwas.“
Das „Für“, das waren die drei Punkte, die im Präsidiums-Beschluss genannt worden waren: Die KA trete ein - für ein offenes, pluralistisches und soziales Österreich, - für ein Europa ohne Rassismus, - für eine politische Kultur der Aufrichtigkeit.
Von diesen Inhalten möchte die Katholische Aktion auch nichts zurücknehmen. Die Anrufe, die Margit Hauft selbst bekommen hat, wären sehr ernst gewesen, die Sorge der Leute wäre herauszuspüren gewesen. Andere Mitarbeiter/innen sahen sich auch massiven Beschimpfungen ausgesetzt. Zur „Schadensbegrenzung“ will die Frauenbewegung mit allen, die protestiert haben, noch einmal in ein persönliches Gespräch treten. Diese Woche, am Mittwoch, berät die Katholische Aktion die weitere Strategie.
Im Wortlaut
Mit dem folgenden Text hat die Katholische Aktion der Diözese Linz ihren Demonstrationsaufruf zurückgenommen.
Die Reaktionen einer großen Anzahl von Mitgliedern in den Gliederungen der Katholischen Aktion haben gezeigt, dass der Aufruf zur Demonstration am 19. Februar in Wien als parteipolitische Stellungnahme verstanden wurde. Das wollte das Präsidium der Katholischen Aktion der Diözese Linz auf keinen Fall. Um diesem Missverständnis entgegenzu wirken nimmt das Präsidium der Katholischen Aktion in einem mehrheitlichen Beschluss diesen Aufruf zurück. Jeder Christ, jede Christin möge für sich selber entscheiden, ob er/sie von der Möglichkeit zur Demonstration Gebrauch macht. Den grundsätzlichen Anliegen, die wir formuliert haben, bleiben wir aber verbunden.Am Mittwoch, 23. Februar wird sich der Diözesanausschuss, das höchste Gremium der Katholischen Aktion der Diözese Linz, damit befassen, welche Reaktionen seitens der Katholischen Aktion in der derzeitigen Situation angemessen sind.