Erneuerbare Energie statt Umweltschmutz – Ein Projekt für Pfarren
Ausgabe: 2000/09, Energie, Umwelt, Schönstein
29.02.2000
- Hans Baumgartner
Die Kirchen sollte in der Umweltarbeit mit gutem Beispiel vorangehen, forderten die ökumenischen Versammlungen von Basel und Graz. Im März startet die ARGE Schöpfungsverantwortung ihr Projekt „Erneuerbare Energie für kirchliche Einrichtungen“.
„In der Kirche ist viel vom umfassenden Lebensschutz die Rede. Der Einsatz für die Erhaltung einer möglichst intakten Natur und einer lebensfreundlichen Umwelt für die kommenden Generationen fällt dabei aber häufig unter den Tisch“, beklagt Isolde Schönstein. Damit das anders wird, unternimmt die von ihr gegründete ARGE Schöpfungsverantwortung, die im Auftrag der Bischofskonferenz die kirchliche Umweltarbeit koordiniert, in diesen Wochen einen neuen Anlauf. „Wir wollen, dass die Kirche ihre Umweltverantwortung ernsthaft und glaubwürdig wahrnimmt. Dazu gehört auch beispielgebendes Handeln. Genau das wollen wir mit unserer Aktion zur Förderung erneuerbarer Energie in kirchlichen Einrichtungen unterstützen“, betont Isolde Schönstein.
Ministerium fördert
In den kommenden Wochen erhalten alle Pfarren, Klöster und kirchlichen Einrichtungen von der ARGE Schöpfungsverantwortung einen Fragebogen zugeschickt. Damit soll nicht nur eine Art „Energiebilanz“ (Iststand Heizung, Dämmung etc.) erhoben werden; der Fragebogen dient auch dazu, das Interesse an alternativen (erneuerbaren) Energieformen bzw. an Energiesparmaßnahmen auszuloten. Außerdem können Pfarren und kirchliche Einrichtungen mitteilen, ob und welche Unterstützung sie von der ARGE (Information, Beratung etc.) in Anspruch nehmen möchten. „Wir verstehen uns auch als eine Art Schnittstelle, die den interessierten Einrichtungen hilft, sich im Dschungel unterschiedlicher Fördermaßnahmen und Anbieter zurechtzufinden, und die im Bedarfsfall auch entsprechende Fachleute organisiert“, sagt Projektleiter Georg Zimmermann.
Das Umweltministerium zahlt nicht nur einen Großteil der Personalkosten für das Projekt „Erneuerbare Energie …“, sondern bietet kirchlichen Einrichtungen auch an, ihre Umweltinvestitionen (Solaranlagen, Holzschnitzelheizungen etc.) in der Höhe von 30 Prozent zu fördern. „Obwohl im Ministerium die Enttäuschung groß ist, dass die seit vier Jahren angebotenen Fördergelder bisher kaum beansprucht wurden, hat man diese Zusage auch für unser neues Projekt aufrechterhalten. Im Ministerium erwartet man sich von der Kirche offenbar immer noch ein beispielgebendes Engagemet im Sinne des Klimaschutzes (Kyoto-Ziele zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen)“, betont Isolde Schönstein.
(K)eine Frage des Glaubens
Dass Christen die Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes und die Gefahr der Erderwärmung ernster nehmen, das hoffft auch Pfarrer Alexander Steinkogler aus Sipbachzell. „Immer wieder schreibe ich im Pfarrbrief und rede mit Leuten darüber. Bewirkt hat das bisher wenig“, meint er. Dabei ist der Benediktiner aus Kremsmünster seiner Gemeinde mit gutem Beispiel vorausgegangen. Beim Pfarrhofneubau wurde auf gute Dämmung, natürliche Baumaterialien, Begrünung der Wände und auf eine weitgehende Versorgung mit erneuerbarer Energie (Photovoltaikanlage, Sägespänneheizung) großer Wert gelegt. Die Begründung von P. Steinkogler klingt schlicht: „ Seit 15 Jahren gehe er fast jede Woche im Wald wandern und sehe die wachsenden Schäden an den Bäumen und Böden.“ Er kann seine persönliche Erfahrung aber auch mit wissenschaftlichem Material belegen und verweist u. a. auf eine EU-Studie, die den radikalen Ausstieg aus der fossilen Energiewirtschaft innerhalb der nächsten 30 Jahre fordert. Und er ärgert sich: nicht nur über die Sorglosigkeit vieler Christen, für die Glaube und Umweltverantwortung zwei verschiedene Paar Schuhe sind, sondern auch darüber, dass das Beispiel der Pfarre in der Gemeinde so wenig Schule macht. „Wenn ich mir anschaue, wie viel in der Gemeinde Laussa (OÖ) im Bereich Alternativenergie weitergeht, und bei uns war trotz guter Voraussetzungen nicht einmal ein Holzschnitzelheizwerk für das Dorf durchzusetzen.“
Gefragte Anlaufstelle
In der Erzdiözese München haben gut ein Drittel aller Pfarren einen eigenen Fachausschuss für Schöpfung und Umwelt. Deutlich mehr Pfarren als in Österreich unterstützen dort lokale Umweltinitiativen, setzen sich für biologischen Landbau ein oder zeigen am eigenen Beispiel alternative Energienutzung vor.
Der Motor der Umweltarbeit in der Erziözese München ist Gotthard Dobmeier. Seit 15 Jahren ist er als hauptamtlicher Umweltbeauftragter tätig. Er verhandelt mit den Behörden über Umweltbildungsprojekte und die Förderung alternativer Energieformen, er besorgt die Informationen über verschiedene Förderprogramme und sorgt gemeinsam mit den Bildungswerken und PGR-Referenten dafür, dass das Thema Umwelt und Schöpfung entsprechend wahrgenommen wird. Vor allem aber sieht sich Dobmeier als Anlauf- und Beratungsstelle für Pfarren, Klöster und andere kirchliche Einrichtungen, die konkrete Umweltprojekte realisieren wollen. Weil die Leute wissen, dass es eine professionelle Anlaufstelle gibt, gibt es beim Umweltbeauftragten sehr viele Anfragen. „Meist geht es zuerst einmal darum, dass man abklärt, was die Pfarre will, welches Projekt sich dafür am besten eignet und ob man sich auch leisten kann, was man vorhat“, berichtet Dobmeier. Nicht immer aber sei es nur eine Frage des Rechenstiftes, ob z. B. eine Pfarre eine Solarstromanlage aufs Dach tut. „Es geht auch um das Beispiel, dass uns Umwelt etwas wert sein muss.“ In Österreich gibt es kaum Diözesen, die sich eine ähnlich professionelle Umweltarbeit leisten. Die ARGE Schöpfungsverantwortung kann dieses Loch kaum stopfen.