Lisas Eltern sind geschieden, sie hat in ihrer Mutter-Familie und neuen Vater-Familie Halb- und Stiefgeschwister. Geburtstage werden gemeinsam gefeiert.
In einem anderen Fall fahren alle gemeinsam auf Urlaub. Solch gelungene Modelle sind allerdings in den „Großfamilien neuer Bauart“ die Ausnahmen. Obwohl sie stetig im Zunehmen sind, erlebt die Mehrzahl der Betroffenen das Beziehungsgeflecht als schwierig und konfliktträchtig. Um diese „Familienmodelle mit Zukunft“ ging es bei einer kfb-Tagung, Arbeitskreis Alleinerziehende, in Linz, gemeinsam veranstaltet mit dem Kath. Familienverband, dem Familienreferat und dem Büro für Frauenfragen des Landes OÖ sowie dem Linzer Frauenbüro. Schon in der Wortwahl gibt es Unterschiede: Die einen sprechen von Stieffamilien, was viele an böse Märchenfiguren erinnert, andere sprechen von Zweit- und Fortsetzungs- oder wiederverheirateten Familien.
Abmachungen treffen
Die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin der Diözese Linz Monika Kornfehl sieht aus der Praxis der Beratung einen ermutigenden Ansatz in der Bezeichnung Patchwork-Familie: „Auch aus Zerbrochenem und Stückwerk lässt sich Schönes gestalten, das nicht unbedingt perfekt sein muss.“ Nach ihrer Erfahrung können Kinder umso besser damit umgehen, je weniger die Erwachsenen ihre Konflikt-Altlasten und Kränkungen auf ihrem Rücken austragen. Inzwischen kennt man 48 verschiedene Patchwork-Familienformen. „Gleich ist ihnen, dass die neuen Rollen erst festgeschrieben werden müssen. Das muss jede Familie für sich klären“, so die Soziologin Univ.- Prof. Liselotte Wilk.Ein Problem-Querschnitt: Manuela gehört zu den Alleinerziehenden an der Armutsgrenze, Petra verzichtet wegen ihrer heranwachsenden Kinder auf eine neue Partnerschaft und Franz möchte keinesfalls, dass seine Kinder den Lebenspartner seiner Ex-Frau mit Papa ansprechen. Auch er will für die beiden Kinder seiner Lebensgefährtin Andrea Freund und Kumpel und nicht „Schularbeiten unterschreibender“ Vater sein und spricht damit das heikle Thema der Erziehungsvollmacht im neuen Beziehungs-Arrangement an. Damit ein neues Familien-Modell – Monika Kornfehl spricht von einer Art Wohngemeinschaft – für die Kinder förderlich und für die Erwachsenen lebbar ist, müssen alle Beteiligten daran arbeiten. Achtungsvoller Umgang ist gefordert! „Es braucht Geduld, Sensibilität und viele Gespräche mit Aushandeln von Regeln!“, so Wilk und Kornfehl. Monika Kornfehl: „Nicht selten erinnern die Kinder an Beratertermine, weil es wieder einmal funkt zwischen den Großen.“ Sie sieht auch Chancen und mögliche Vorteile für Kinder aus dem Leben mit mehreren Erwachsenen, etwa ist der neue Papa ein Computer-Freak, ein Fußball-Fan oder die neue Lebensgefährtin des Vaters eine Super-Köchin.