Unterwegs im vertrauten Toten Gebirge. Zwei erfahrene Bergkameraden begleiten mich. Ziel der Tagesetappe ist die Hütte, von der wir am nächs-ten Tag mit vielen anderen zur gemeinsamen Bergmesse aufbrechen werden. Das Wetter meint es an diesem Spätsommertag nicht gut mit uns. Der Nebel lässt den Horizont eng werden. Bald darauf sind viele der rot und weiß leuchtenden Markierungen vom Neuschnee überdeckt. Plötzlich verlieren wir den Weg. Einer bleibt stehen, während die anderen zwei nach der Markierung suchen. Da ist sie! Wir können weitergehen und sind uns einig: Einer allein hätte es hier sehr schwer. Jeder braucht die Hilfe des anderen.
Das heutige Evangelium berichtet von Griechen, deren Ziel es ist, Jesus zu begegnen. Sie vertrauen sich der Hilfe des Philippus an. Ob sie ihr Ziel erreicht haben, berichtet das Evangelium nicht. Hier scheint ein Bruch in der Darstellung zu sein. Ohne Übergang wird von Jesus als dem Weizenkorn erzählt, das sterben muss, um reiche Frucht bringen zu können. Aber ist nicht gerade dieses für die jüdischen Glaubensbrüder und -schwestern Jesu so schwer begreifliche Sterben und Auferstehen des Messias Grund dafür, dass sich die Frohe Botschaft über alle einengenden Horizonte hinweg ausbreiten konnte?
Die Menge deutet die Stimme vom Himmel sehr gegensätzlich: Es sei ein Donner, sagen die einen, es seien Engelsstimmen, meinen andere. Ihnen ist die Botschaft vom Heil schwer verständlich. Sind nicht auch wir umgeben vom Nebel vieler Fragen und Zweifel? Solange wir auf dem diesseitigen Pfad des pilgernden Gottesvolkes unterwegs sind, wird sich der Nebel nie ganz heben. Paulus erklärt dies mit den Worten: Jetzt sehen wir nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin (vgl. 1 Kor 13, 12). Erkennen heißt lieben. Gott ist es, der uns durch und durch liebt. Er schließt mit uns einen neuen Bund (erste Lesung). Es ereignet sich eine Neuschöpfung: Gott selber führt einen jeden Menschen, indem er seine Wegmarkierungen in jedes Herz hineinlegt. Keiner mehr wird dann auf die Führung durch einen anderen angewiesen sein. Jeder wird den großen Durchblick auf das ewige Ziel hin haben.
Doch bis sich diese Neuschöpfung total durchsetzt, gibt es wichtige Fragen zu klären: Von wem lassen Sie sich führen? Wer erwartet von Ihnen Führung? Ich wünsche Ihnen großes Vertrauen in die Führung durch Gott, von dem wir kommen und zu dem wir gehen.