Noch immer weite Teile unter Wasser – Ernte frühestens in acht Monaten
Ausgabe: 2000/14, Mosambik, Regenzeit
04.04.2000
- Walter Achleitner
Sieben Wochen leben die Opfer der Flutkatastrophe schon in viel zu kleinen Zelten. Doch die Wassermassen geben das Land nur langsam für den Wiederaufbau frei.
Immer wieder neue Regenfälle sorgen für Verzweiflung. „Denn die Menschen brennen darauf, in ihre Häuser zurückzukehren“, beschreibt Martin Hagleitner-Huber die Lage in Mosambik. Tausende Menschen leben auch in der siebten Woche nach der Flutkatastrophe im südlichen Afrika nach wie vor unter unvorstellbaren Bedingungen. Hagleitner-Huber: „Ich war in einem Lager wo den fast 2000 Flüchtlingen vier Zelte zur Verfügung stehen, von denen keines größer als 30 Quadratmeter ist. Die Nächte verbringen sie stehend in den Zelt, um wenigstens irgendeinen Schutz vor dem Dauerregen zu haben. Ihre einzige Hoffnung momentan ist das nahende Ende der Regenzeit. Dann sollten die Wassermassen zurückweichen und das Land für den Wiederaufbau freigeben.“
Schwester Paulis hilft
Bis dahin sind für die 10.000 Menschen, die alleine rund um die Stadt Malehice (Provinz Gaza) vor den Wassermassen geflohen sind, Sr. Paulis Mohr und ihr Team die einzige Hoffnung. Sie betreuen rund um das Schulgelände der Wernberger-Schwestern sieben Camps, die nur teilweise mit dem Auto versorgt werden können. Dass die Ordensfrau aus Lustenau überhaupt Lebensmittel verteilen und medizinische Hilfe anbieten kann, wäre jedoch ohne die rasche Zusammenarbeit mit der Caritas Vorarlberg nicht möglich gewesen.Nach seiner Rückkehr aus dem Katastrophengebiet sieht Martin Hagleitner-Huber im Gespräch mit der Kirchenzeitung drei Hauptaufgaben für die kommenden Wochen und Monate: „Das Land stand vor der Ernte. Nun ist alles vernichtet. Erst in rund acht Monaten wird es wieder soweit sein. Bis dahin muss das Überleben der Menschen gesichert werden.“ Verschärft wird die Lage, da laut Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bis zu 80 Prozent des Viehbestandes vernichtet wurde. Dass bisher trotz widrigster Umstände keine Epidemien und Seuchen aufgetreten sind, grenzt für den Caritas-Mitarbeiter an ein Wunder. „Was mit Sicherheit nach der Regenzeit aber eintreten wird ist ein dramatischer Anstieg von Malariaerkrankungen. Die Überschwemmungsgebiete sind ideale Brutstätten und die Leute sind jetzt schon äußerst geschwächt.“
Start mit Hacke und Saatgut
Vorkehrungen für den Wiederaufbau werden zwar schon getroffen, doch zunächst muss der tatsächliche Schaden erst sichtbar werden. Denn vielerorts sind die Häuser noch bis zu acht Meter unter Wasser. Gemeinsam mit den Wernberger-Schwestern in Maputo wurden Voraussetzungen für Ankauf und Verteilung sogenannter „Rückkehrer-Pakete“ geschaffen. Diese sollen unter anderem eine Hacke, eine Sichel und Saatgut enthalten. Möglicherweise – je nach Spendenaufkommen – sollen auch Projekte zum Bau von Häusern unterstützt werden. Denn, so Martin Hagleitner-Huber von der Caritas, „von den Lehmhütten wird wahrscheinlich nach dieser Flut nicht viel übrig bleiben“.
Zur Sache
Täglich 2,8 Mill. an die Gläubiger
„Nur durch einen großzügigen Schuldenerlass kommt Mosambik überhaupt zu finanzielle Mittel für den Wiederaufbau“, sagt Martina Neuwirth, Koordinatorin der Kampagne „Erlassjahr 2000“ in Österreich. Sollen die Spenden und die Katastrophenhilfe nicht im Sande verlaufen, muss ein nachhaltiges Programm zum Wiederaufbau einsetzen. Doch die Schuldenlast des Landes, Mosambik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, ist erdrückend. Jede Woche muss es 19,6 Millionen Schilling (2,82 Mill. täglich) an die Gläubiger im Norden zurückzahlen. Die im Juni 1999 zugesagten Erleichte-rungen werden erst mit 2001 in Kraft treten und sich die wöchentlichen Zahlungen demnach auf 15,4 Mill. verringern. Im Vergleich dazu: Die internationale Caritas hat nach der Katastrophe als Soforthilfe 17 Mill. Schilling bereitgestellt. Und der vierwöchige Bundesheereinsatz (67 Mann samt vier Anlagen) zur Trinkwasseraufbereitung in Samora Machel wird voraussichtlich mehr als 24 Mill. Schilling kosten.Die Entscheidung der Gläubiger (Pariser Club) von vorvergangener Woche wertet Neuwirth daher als „schwere Enttäuschung“. Mosambik sei nur ein Zahlungsaufschub bis Juni 2000 gewehrt worden. Die Zinsen für 116 Mrd. Schilling Auslandsschulden laufen jedoch weiter. Österreich habe zwar bereits 1998 und 1999 die Entwicklungshilfekredite in der Höhe von 171 Mill. entschuldet, weitere 240 Mill. sind noch offen. Neuwirth: „Die Regierung sollte alle Schulden zum Nutzen des Wiederaufbaus streichen. Mit einem solchen Schritt könnte Österreich auch als internationales Vorbild wirken.“