Bischofskonferenz zu sozialen Fragen, zu Europa und zum Sonntag
Ausgabe: 2000/16, Sparkurs, Bischofskonferenz
18.04.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Besorgt äußerten sich die österreichischen Bischöfe bei ihrer Frühjahrskonferenz über die Sparmaßnahmen der Regierung im Sozialbereich.
„Die österreichischen Bischöfe sehen mit Sorge, dass die Auswirkungen der Budgetsanierung im sozialen Bereich zu Spannungen führen“, heißt es in einer Erklärung zum Abschluß der Frühjahrssession der Österreichischen Bischofskonferenz im Stift Reichersberg. Die Bischöfe zeigen Verständnis für ein Sparprogramm – auch aus Solidarität im Hinblick auf die jüngere Generation. Gleichzeitig aber warnen sie vor vorschnellen Entscheidungen, „die Menschen in ihren Lebensplänen und Lebenschancen verunsichern“.
Angesichts der geplanten Kürzungen, die privaten, gemeinnützigen Organsiationen die Arbeit massiv erschweren, weisen sie darauf hin, dass das gesellschaftliche Klima wesentlich davon beeinflusst wird, „ob und wie man sich um die vereinsamten alten Menschen, die psychisch Kranken, Familien ohne Dach über dem Kopf, Drogengefährdete, Flüchtlinge und andere an den Rand Gedrängte kümmert“. In einer Erklärung zu „Österreich und Europa“ weisen die Bischöfe „pauschale und ungerechte Urteile gegenüber Österreich und seinen Menschen, wie dies durch die Maßnahmen der 14 EU-Regierungen geschehen ist, zurück“.
Zugleich betonen sie, dass Österreich im „Blick auf seine europäische Aufgabe die besondere Verpflichtung hat, allen Erscheinungen von Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und politischem Extremismus entschlossen entgegenzutreten“. Wie bereits die Kardinäle Schönborn und König ruft auch die Bischofskonferenz dazu auf, in der schwierigen Situation Klarheit und Ruhe zu bewahren, alle Agressivität zu vermeiden und in den Worten abzurüsten.
In einer Erklärung zum Sonntag begrüßen die Bischöfe die Bildung einer österreichweiten „Allianz für den Sonntag“. Die Bischofskonferenz werde in dieser Allianz aktiv mitwirken. Als besondere Aufgaben für die Zukunft nennen die Bischöfe die verstärkte Bewusstseinsbildung für die vielfältigen Dimensionen des Sonntags – dazu soll es auch ein Hirtenwort geben – sowie politische Gespräche und Aktionen zur Sicherung der gemeinsamen Sonn- und Feiertagsruhe (u. a. Verankerung in der Verfassung).Zum 10. Jahrestag des Sozialhirtenbriefes wird am 15. Mai eine Informationsinitiative zum „Ökumenischen Sozialwort“ gestartet. Die für das Frühjahr geplante Erhebenungsphase zum Sozialwort wurde auf Grund der politischen Situation auf Herbst verschoben.