Vor einem Jahr sah es noch so aus, als käme Österreichs Kirche der Bitte des Papstes nicht nach: ein Verzeichnis der Blutzeugen des 20. Jahrhunderts zu erstellen. Nun liegt es vor und es scheint ein Spiegelbild kirchlichen Selbstbewusst- seins geworden zu sein. Für ihren Glauben wurden vor allem Männer getötet, die zu Priestern geweiht waren. Um so schmerzlicher ist, dass Menschen wie die Osttirolerin Rosa Stallbaumer keine Aufnahme fanden. Die Frau aus Sillian half flüchtenden Juden über die Grenze nach Italien und kam deshalb kurz vor ihrem 45. Geburtstag am 23. November 1942 im KZ Auschwitz ums Leben. Ihr einfaches, vom Glauben getragenes Zeugnis würde ihre Aufnahme rechtfertigen. Doch die einfache Bäuerin fehlt, weil kaum Zeit blieb und niemand sich fand, um mehr über sie zu erfragen – und Rosa Stallbaumer dem Vergessen zu entreißen.