Durch eine KA-Initiative finden Menschen wieder neuen Lebensmut
Ausgabe: 2000/16, Arbeitslose, KA, Solidatität, St. Pölten
18.04.2000
- Hans Baumgartner
In St. Pölten knüpft die Katholische Aktion seit zwei Jahren ein Netz der Solidarität. 105 Menschen konnten dadurch einen Arbeitsplatz finden. Für viele eine Art Ostererfahrung.
„Wenn jemand hundert und mehr Bewerbungsschreiben abgeschickt und auf die meisten nicht einmal eine Antwort bekommen hat, dann wird es von Mal zu Mal schwieriger, es wieder und wieder zu versuchen. Viele Arbeitslose – auch junge Leute – werden da schon sehr depressiv, ziehen sich zurück und verlieren den Glauben an sich und den Mut, weiterzusuchen. Es ist daher eine unserer wichtigsten und schwierigsten Aufgaben, die Leute neu zu motivieren“, erzählt Julius Felker. Er ist Koordinator vom „Netzwerk der Solidarität“ der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten. Vor zwei Jahren wurde diese Initiative für arbeitslose Menschen vom inzwischen verstorbenen KAB-Diözesansekretär Johann Hössinger in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) gegründet.
Große Bereitschaft
„Wir beginnen mit unserer Arbeit dort, wo das AMS aus Zeit- und Personalgründen aufhören muss. Wir können in den Gesprächen mit den Arbeitslosen tiefer gehen, ihre Probleme ausloten, aber auch gemeinsam mit ihnen neue Chancen entdecken“, schildert Julius Felker „das Geheimnis“ des Netzwerkes. Dass diese „Methode“ Erfolg hat, zeigen die Zahlen: Seit der Gründung des Netzwerkes im März 1998 haben 105 Arbeitslose, die beim AMS als schwer vermittelbar galten, einen neuen Job gefunden. Die Grundidee der kirchlichen Initiative ist es, an der Basis Netzwerke einer konkret gelebten Solidarität aufzubauen. „Durch die Zusammenarbeit mit dem AMS wissen wir, in welchen Gemeinden das Problem der Arbeitslosigkeit besonders akut ist. Wir wenden uns dort an den Bürgermeister und bitten um Unterstützung beim Aufbau einer Gruppe von Leuten, die Kontakte in die Wirtschaft haben; wir sprechen Wirtschaftstreibende und Betriebsräte an und wir ersuchen die zuständigen Pfarren um Mitarbeit. In allen neun Gemeinden und Städten, in denen wir bisher die Aktion gestartet haben, bekamen wir große Unterstützung. Es bildeten sich jeweils Aktivistenrunden von 20 bis 30 Leute, die sich der Arbeitslosen annehmen. Allein heuer konnten wir in St. Pölten, Amstetten und St. Valentin mit drei neuen Netzwerken starten. Die Nachfrage“, so berichtet Julius Felker, „wäre auch in anderen Gemeinden und Regionen groß. Aber wir schaffen momentan nicht mehr.“ Die Aktivistenrunden in den Gemeinden treffen sich alle vier bis sechs Wochen zu Gesprächen mit Arbeitslosen, die größtenteils auf Rat des AMS zu diesen Meetings kommen. Dort besteht dann die Möglichkeit, ausführlich über die Situation der Jobsuchenden zu sprechen, auch über ihre außerberuflichen Neigungen und Hobbys. Daraus ergeben sich oft ganz neue Berufsperspektiven. Und man sieht richtig, wie die Leute neue Hoffnung bekommen, erzählt Felker.
Ins Leben zurück
In diesen Gesprächsrunden ergeben sich durch die vielfältigen Verbindungen der Aktivisten zur Wirtschaft, aber auch durch die Arbeitslosen selber, die von einem Job da oder dort wissen, meist eine Reihe konkreter Ansätze für einen neuen Arbeitsplatz. „Oft“, so berichtet Felker, „ist es so, dass die Arbeitslosen nicht in ihrem erlernten Job eine neue Arbeit finden, sondern aus ihrem Hobby einen Beruf machen. So etwa haben wir einen Schlosser, der gerne Auto fährt, als Chauffeur vermittelt oder einen Freizeitschreiner in eine Tischlerei. Möglich ist das auch, weil das AMS bereit ist, einen Probemonat zu finanzieren, so dass der Betrieb und der Arbeitslose klären können, ob sie miteinander wollen.“ Das Netzwerk kann nicht allen helfen, ist sich Felker der Grenzen bewusst. „Aber es ist eine große Freude zu sehen, wie Menschen durch unsere Hilfe wieder ins Leben zurückkommen, ein Stück Auferstehung erleben.“
Ein ungeutes Störmanöver
Zur Fortführung des „Dialogs für Österreich“ hat die österreichische Bischofskonferenz u. a. eine Projektgruppe eingerichtet, die sich mit den Fragen des Bischofsamtes und mit der Kandidatenfindung befassen sollte. Unter der Leitung von Bischof Kothgasser hat die Arbeitsgruppe ein Papier erarbeitet. Es beschreibt zum einen ein Anforderungsprofil für Bischofskandidaten und macht Vorschläge, wie unter Einbeziehung der Priester, Ordens- leute und Laien einer Diözese Kandidaten namhaft gemacht werden können. Die Vorschläge bewegen sich im Rahmen des geltenden Kirchenrechtes.
Auf Beschluss der Bischofskonferenz wurden diese Vorschläge auch in einen Dialog mit Rom eingebracht. Bischof Kothgasser führte dazu eingehende Gespräche im Vatikan. Auch für ihn selber kam daher ein Brief von Kardinal Neves, dem Präfekten der Bischofskongregation, an die österreichischen Bischöfe überraschend. Darin werden die Vorschläge aus Österreich und die in der Steiermark bereits bestehende Praxis, dass der Bischof Namen für mögliche Kandidaten in geheimer Abstimmung des Diözesan- und Priesterrates, des Domkapitels und der Dechanten erhebt, abgelehnt. Für Bischof Kothgasser ist das nicht das letzte Wort aus Rom, sondern ein Auftrag, die Gespräche weiterzuführen und die Anliegen der Kirche Österreichs zu verdeutlichen. Dass der geheime Brief aus Rom an die Bischöfe dem Nachrichtenmagazin „profil“ zugespielt wurde, mache die Gespräche nicht leichter, weil dadurch ungute Drucksituationen entstünden, kritisiert Kothgasser das – vermutlich bewusste – Störmanöver, das „der Sache nicht diene“.