Biblische Themen in Ausstellungen, auf der Bühne und im Fernsehen
Ausgabe: 2000/16, Mettmach, Passionsspiele
18.04.2000
- Elisabeth Leitner
Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi haben auf unterschiedlichste Art in der Bildenden Kunst und Literatur, im Film oder Theater ... ihren Niederschlag gefunden. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich bei uns die „Passionsspiele“.
In Salzburg wurden mit der der selten gespielten Oper „Simon Boccanegra“ von Giuseppe Verdi die „Osterfestspiele“ eröffnet (nächste Aufführung: am 24. April). In Klosterneuburg sorgt die Ausstellung „I.N.R.I.“ mit ungewöhnlichen Darstellungen der Kreuzigung für Aufregung. Die Künstlerin Bettina Rheims hat sich dafür ein Jahr lang mit Bibeltexten beschäftigt. In der künst-lerischen Auseinandersetzung ging es darum, das Leben Jesu in die heutige Zeit zu übertragen. Im Österreichischen Fernsehen wird am Gründonnerstag und Karfreitag eine neue Jesus-Verfilmung zu sehen sein, die ORF-Generalintendant Gerhard Weis als Highlight im ORF-Programm zum Heiligen Jahr 2000 bezeichnet (siehe „Kopf der Woche“, S. 2).Einen anderen Zugang zum Leben Jesu schaffen die Passionsspiele, die sich landauf – landab großer Beliebtheit erfreuen. In Mettmach bei Ried im Innkreis kommen sie alle fünf Jahre zur Aufführung. Heuer feiert die Spielgemeinschaft Mettmach – ein Laienspieltheater – das 50-Jahr-Jubiläum ihrer Passionsspiele. 1950 wurden die Passionsspiele als Dank für die gute Heimkehr aus dem zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Von den 2600 Einwohnerinnen und Einwohnern Mettmachs wirken fast zehn Prozent auf oder hinter der Bühne mit. Aufgrund der vielen Aufführungstermine (20 an der Zahl) sind die Hauptrollen doppelt besetzt. Schließlich findet man so schnell keinen Ersatz für den Darsteller des „Pilatus“, wenn dieser wegen eines verstauchten Knöchels bühnenuntauglich wird.
Mehr als Theater
In Mettmach geht es nicht nur ums „Theater“. Die Schauspieler/innen sehen ihren unentgeltlichen Einsatz auch als eine Form der Glaubensvertiefung. Zahlreiche Bibelzitate liegen dem Passionsspiel von B. Withalm zugrunde, die Mettmacher/innen haben das Bühnenwerk für ihren Gebrauch noch überarbeitet. Heuer werden 15.000 Besucher/innen erwartet, die Passionspiele beginnen am 10. Juni und dauern bis 23. Juli 2000 – und sind übrigens die einzigen ihrer Art in Oberösterreich. In Österreich gibt es insgesamt sieben Aufführungsorte: Passionsspiele werden heuer noch in Kirchschlag in der Buckligen Welt aufgeführt (von 28. Mai bis 15. Oktober). Auch im Burgenland, in Tirol und in der Steiermark pflegt man diese Tradition. Die Intentionen sind dabei unterschiedlich: Betonen die einen das gemeinschaftliche Erlebnis wie in Mettmach/OÖ, so stellen andere die religiöse Erbauung, das Spiel „zur Ehre Gottes“ in den Vordergrund – so etwa in Feldkirchen/Stmk.
Wertvolle volkstümliche Kunst
Passionsspiele sind ein Stück volkstümlicher Kunst, die auf sehr direkte und einfache Art und Weise Leben und Sterben Jesu vermitteln. Den Maßstab kritischer Bibelauslegung und dessen Umsetzung im Text kann man hier nicht anlegen, hier werden Augen und Ohren auf ganz klassische Art mit biblischen Geschichten in Berührung gebracht.
Information: Passionsspiele Mettmach/OÖ: Tel. 07755/71 56 bzw. im Internet unter: www.ried.stadt.at/mettmach Kirchschlag/NÖ: 02646/22 43-14 Feldkirch/Stmk: www.ssgf.at