Die oberösterreichische Landesausstellung 2000 wurde eröffnet
Ausgabe: 2000/18, Zeit, Landesausstellung, Wels
03.05.2000
- Matthäus Fellinger
„Zeit – Mythos Phantom Realität“, die oberösterreichische Landesausstellung 2000 macht viele Bezüge zwischen Zeit und Religion deutlich.
Träge strömt der Mühlbach dahin. Sein Wasser floss schon schon am Minoriten-Kloster vorbei, auch später, als man die Kloserkirche als Lagerhalle nützte. Selbst als Gerichtssaal ist das Kloster verwendet worden. Wie die Zeit vergeht.Jetzt ist das Welser Minoriten-Kloster Schauplatz der 23. oberösterreichischen Landesausstellung. Nach dem vielen Tamtam zum Jahreswechsel 2000 könnte sie helfen, ein wenig tiefer über eines der kostbarsten und flüchtigsten Güter unserer Zeit nachzudenken: Zeit.
Die Architektur des Schauplatzes
Zeit sieht man nicht – und eine Ausstellung kann helfen, sie doch ein wenig sichtbar zu machen, meint der Philosoph und Ausstellungsgestalter Dr. Wolfgang Müller-Funk.Da ist zunächst der Schauplatz, das Kloster: Die alten verputzen Gemäuer, verbunden mit Metall, Glas und Beton unserer Zeit – ein beachtenswertes Zeugnis, wie historische und zeitgenössische Architektur zusammenfinden können. Über die Zeit der Ausstellung hinaus hat Wels so einen sehenswerten Kulturraum erhalten. Durch einen engen, langen futuristisch anmutenden Gang, begleitet von Video-Instastallationen, betritt der Besucher gewissermaßen aus der Gegenwart heraus die Ausstellung. Über eine Leuchtschrift-Treppe führt der Weg hin zu einem Heiligen: Augustinus. Er hat sich in der frühen Geschichte des Christentum Gedanken über die Zusammenhänge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemacht. Die Zeitausstellung lenkt den Blick auch auf andere Zeitvorstellungen: Dass die Hopi-Indianer Nordamerikas – nur noch rund 1000 umfasst der Stamm heute –nur für die rituellen Zeiten Namen hatten, die übrigen Jahreszeiten aber unbenannt ließen, erfährt man beispielsweise. „Ohne Religion keine Zeit!“, sagt Dr. Wolfgang Funk. Ob es die jüdische Zeitrechnung ist, die mit der Schöpfung beginnt, oder die Zeit ab Christi Geburt, oder ob es die „Heiligen Zeiten“ sind, die in der spirituellen Dimension der Religionen ihre Bedeutung haben – bei der Ausstellung stößt man immer wieder auf Religion. Ein buddhistischer und ein islamischer Meditationsraum laden ein, während des Ausstellungsbesuches eine Zeit der Stille einzulegen. Der christliche Zeitenwender Franz von Assisi und sein noch früherer Glaubensbruder Joachim von Fiore teilen sich einen Raum mit Karl Marx und mit einer Tafel zum „Dritten Reich“ des Nationalsozialismus. Auf die Frage, was die Vollendung der Zeit bedeutet, haben sie ganz unterschiedliche Antworten gefunden. Wer sich viel Zeit nimmt, kann den Zeitkalender an der Wand Meter für Meter und jahr für Jahr mitlesen. Auf ihm sind die wichtigen Ereignisse der Weltgeschichte und ihre prägenden Persönlichkeiten verzeichnet. Im Dachgeschoß, beim „Time-Explorer“, können Besucher in Gruppen einen Blick in eine mögliche Zukunft werfen. Je nachdem, wie sie auf Fragen der Gegenwart antworten, werden sie das künftige Schicksal der Stadt Linz sehen können. Die Journalisten haben bei der Präsentation der Ausstellung keine gute Wahl getroffen.Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer erwartet bis zu 250.000 Besucher bei der diesjährigen Ausstellung. 5,5 Millionen Gäste gab es bei den bisher 22 Landesausstellungen seit 1965. Für Oberösterreich sind sie zu einem wichtigen Kultur- und Wirtschaftsfaktor geworden. Verbunden mit diesen Projekten ist ein Finanzvolumen von bisher 2,6 Milliarden Schilling, das „bewegt“ wurde.
Zur Sache
Öffnungszeiten: Die oberösterreichische Landesausstellung „Zeit“ ist geöffnet bis 2. November 2000, täglich von 9 bis 18 Uhr. Ort: ehemaliges Minoriten-Kloster in Wels (beim Stadtplatz).Parkmöglichkeiten bestehen gratis am Messe-Parkplatz . Eintritt: Erwachsene: S 80,– , ermäßigt: S 70,–, Schüler S 45,–, Familien: S 150,–. Der Ausstellungskatalog „Zeit – Mythos Phantom Realität“, 464 Seiten und ca. 250 Abbildungen, kostet S 330,– und ist bei der Landesaausstellung erhältlich. Für Kinder und Schüler/innen gibt es eigene Führungen und ein spezielles Programm. Barrierefrei zugänglich für Rollstuhlfahrer/innen.Informationen zur Ausstellung: Tel. 0732/7720-56 58.