Kardinal König für eine Dezentralisierung in der Kirche
Ausgabe: 2000/18, König, Rom
03.05.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Kritisch sieht Kardinal König den wachsenden römischen Zentralismus in der katholischen Kirche. Er sieht darin nicht ein Konzept des Papstes.
In einem „Osterinterview“ mit der „Kleinen Zeitung“ (Graz) trat Kardinal Franz König für weniger Zentralismus in der Führung der katholischen Kirche ein. Die gegenwärtig feststellbare Zentralisierung sei zum einen ein „Zeichen von Angst angesichts der großen Verantwortung für den Zusammenhalt und die Einheit der Weltkirche“, zum anderen sei jeder Verwaltungsapparat in der Versuchung, ein Eigenleben zu entwickeln, das sich die Autorität des Papstes zu Nutze mache. Müsse wirklich jeder Monsignore auf der Welt von Rom ernannt werden, als ob man nur dort den nötigen Durchblick habe, fragt König. Ausdrücklich betont der Wiener Alterzbischof, dass seiner Einschätzung nach die wachsende Zentralisierung nicht Teil eines „größeren Kirchenentwurfes des Papstes“ sei. Vielmehr habe er den Eindruck, dass Johannes Paul II. „gerade mit Blick auf den Ökumenismus darunter leide“.
König vertritt die Ansicht, dass eine Verlagerung vieler bisher in Rom gehüteter Kompetenzen zu den Kontinentalkirchen dem pastoralen Blick bei Entscheidungen ebenso dienlich wäre wie der Ökumene. Der gegenwärtig praktizierte Zentralismus erschwere das von Johannes Paul II. selber angeregte Gespräch mit den anderen Kirchen über das Papstamt.
Verkürzte Sicht der Kirche
Die in den letzten Jahren auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes durchgeführten kontinentalen Bischofssynoden in Rom wertet König als Signal zur Vorbereitung einer Dezentralisierung der Kirche. Die – im Gegensatz dazu stehende – Beschneidung der Kompetenzen der Bischofskonferenzen im Jahr 1998 führt König „weniger auf den Papst selbst zurück als auf seinen Apparat“. Er verweist auch auf Vatikanbeobachter, die „von Spannungen zwischen dem Papst und seinem Apparat, der immer größere Dimensionen annimmt“, sprechen. König ging in dem Interview auch auf die – vor allem durch die moderne Medienberichterstattung herbeigeführte – Gleichsetzung von Kirche und Papst ein. Die Kirche, das ist der Papst – und umgekehrt. Diese plakative Vereinfachung habe auch dazu beigetragen, dass der Papst im öffentlichen Bewusstsein „gerade bei uns“ zu einer Person wurde, die in manchen Fragen hart und unbarmherzig erscheint. Dieses unzutreffende Urteil komme daher, dass oft nur die eine Kirchenwirklichkeit, wie das notwendige Verkünden von Normen, gesehen werde, und nicht auch die zweite Seite der Medaille Kirche, nämlich die seelsorgliche Praxis, die „nicht nur die Normen, sondern auch den konkreten Menschen sieht und versteht“.