Das österreichische Parlament beschloss am Donnerstag, 27. April eine Reihe der von der Regierung vorgeschlagenen Sparmaßnahmen. Zeitgleich wurden von den Organisatoren der derzeitigen Aktionswoche gegen Armut und soziale Ausgrenzung die neuen Daten der Armutsforschung vorgelegt. 330.000 Menschen sind in Österreich akut von Armut betroffen. Sie sind häufiger krank und geraten leichter in die Isolierung. Das soziale Netz müsse armutssicherer gestaltet werden, denn die Folgen der Armut wären dramatisch, betonten die Organisatoren der Armutswoche. Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister macht aufmerksam: Gerade die Ärmeren sind von den jetzigen Sparpaketen am meisten betroffen. Einkommensstarke müssten hingegen kaum einen Beitrag zur Budgetsanierung leisten. Gerade die Schwächsten der Gesellschaft müssen so die Schwächen der Gesellschaft auffangen.
Unter dem Motto „Es ist genug für alle da“ finden zwischen 1. und 7. Mai in ganz Österreich Veranstaltungen zur Aktionswoche gegen Armut und Ausgrenzung statt. Bei der Auftaktpressekonferenz betonte der Sozialexperte der evangelischen Diakonie, Martin Schenk, dass die weitgehende soziale Absicherung der 330.000 Österreicher/innen, die akut von Armut betroffen sind, durchaus möglich wäre, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist. Gerade in Zeiten von Sparprogrammen sei es notwendig, besonders darauf zu achten, dass die Schwächsten nicht noch mehr unter die Räder kommen, forderte Schenk.
Armut bedeutet nicht nur finanzielle Einschränkungen, Arme, so eine neue Studie, sind doppelt so oft krank wie Bezieher gehobener Einkommen, sie sind von vielen sozialen Kontakten und Bildungszugängen ausgeschlossen. Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister kritisierte, dass durch die geplanten Sparmaßnahmen der Regierung die sozial schwächeren Gruppen am härtesten getroffen würden, während Unternehmer und Großbauern profitieren und Bezieher mittlerer Einkommen wenig berührt werden. Schulmeister forderte einen höheren Beitrag der Einkommensstarken zur Budgetsanierung, z. B. die Besteuerung von Stiftungsvermögen und Spekulationsgewinnen.