Der Osterglaube wächst in der Gemeinschaft. Nie berichten die Evangelien, dass eine Person allein zum Osterglauben kommt. Es sind zwei oder drei oder mehrere beteiligt, bei denen allmählich dieser Glaube wächst, die Überzeugung, der Herr ist auferstanden. Ebenso wachsen österlicher Trost und Frieden in der Gemeinschaft. Sie sind ein Geschenk der Gemeinschaft. Deshalb treffen sich heute noch Menschen, um miteinander zu beten und zu feiern. In einer Gemeinschaft mit anderen erhalte ich den nötigen Rückhalt, um Schwierigkeiten, Leid und Not durchzustehen. In der Gemeinschaft wächst mir, wenn ich von Trauer betroffen bin, Trost und Kraft zu.
Der österliche Glaube wächst in einer Atmosphäre der Offenheit. Es ist erstaunlich, was da alles zugelassen wird: Angst, Zweifel, Fragen, Wunden, Verletzungen und andere Erfahrungen. Es wird nichts verdrängt, verboten, abqualifiziert oder geleugnet. In dieser Atmosphäre der Offenheit „tritt er selbst in ihre Mitte“. Eine solche Atmosphäre der Offenheit lässt Menschen aufatmen, aufstehen und erfahren, da ist ein „anderer“ in ihrer Mitte. Diese Offenheit lasst uns pflegen. Dieser Geist möge in unseren Familien, Gruppen und Pfarrgemeinden „herrschen“.
Der österliche Glaube wächst durch das Gespräch, durch das Erzählen von Erfahrungen. In diesem Austausch gewinnen die Jüngerinnen und Jünger allmählich die Gewissheit, der Auferstandene lebt. „Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte.“ Der österliche Glaube braucht den Raum des Gespräches, das Hören aufeinander, das Hinhören auf die Heilige Schrift. Schwierigkeiten und Probleme beginnen sich zu lösen, wenn über sie gesprochen wird. Es ist niemandem gedient, wenn ich etwas in mich „hineinfresse“, im Gegenteil, es macht letztlich alles schlimmer. Ostern will uns zum offenen Gespräch ermutigen. Vielleicht wird verständlicher, warum es das Erschrecken und die Angst gibt, von denen die Osterberichte erzählen. Die Wahrheit kann schmerzlich sein, kann erschrecken. Sie ist zugleich der Weg zum Leben und die Chance zum Neubeginn.
Der österliche Glaube wächst beim Mahl. Oft ist es das Mahl, das zum „Schlüsselerlebenis“ wird. Wenn sie miteinander das Brot brechen, d. h. teilen was sie haben, gehen ihnen die Augen auf. Der Auferstandene weilt in unserer Mitte, wenn wir miteinander Mahl halten beim Mittagstisch oder Abendbrot – vielleicht oft unerkannt. Wenn wir unter diesem Aspekt das gemeinsame Essen beginnen, ist jedes Mahl eine äußerst hoffnungsvolle Zeit, eine österliche Zeit.