- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Stefan Schlager
Das Drama seines Leidens vor Augen setzt Jesus ein letztes Zeichen. Eucharistie hat nichts mit harmloser Idylle und kuscheliger Frömmigkeit zu tun.
Jerusalem, im April des Jahres 30: Eine große Menschenmenge drängt in die Heilige Stadt. Weil das bevorstehende Pascha-Mahl nur hier gehalten werden darf, befinden sich etwa 80.000 Pilger aus dem In- und Ausland in der 40.000-Einwohner-Stadt. Jesus aus Nazareth ist einer der Pilger.Die Stimmung ist hektisch. In einer überfüllten Stadt gilt es, passende Rastplätze und vor allem Räumlichkeiten für die Pascha-Feier zu organisieren. Es müssen fehlerlose, männliche Lämmer – nicht älter als ein Jahr – gefunden werden, ebenso Zutaten für die traditionellen Speisen und Wein in der vorgeschriebenen Menge. Um überhaupt am Fest teilnehmen zu dürfen, brauchen die Menschen etwa eine Woche für die notwendigen Reinigungsriten. Diese Hektik erreicht ihren Höhepunkt am offiziellen Vorbereitungstag zum Pascha (genannt „Rüsttag“), wo am Nachmittag die Lämmer (zwischen 10.000 und 15.000 Stück!) für das abendliche Mahl geschlachtet werden.
Es spitzt sich zu
In jener ruhelosen, getriebenen Woche geschieht Ungewöhnliches: Zunächst ein eigenartiger Empfang in Jerusalem: Nicht stolz auf einem Pferd, sondern auf einem jungen, unberittenen Esel zieht einen Mann aus Galiläa ein. Pilger begrüßen ihn mit Jubelrufen. Sehen sie in diesem Mann etwa den erwarteten Messias? Später kommt es durch die selbe Person zu einem folgenschweren Konflikt: Der Galilaäer Jesus von Nazareth greift den Tempel an. Der Tempel aber gilt als etwas Besonderes, er ist der Ort, wo Gott den Menschen nahe ist, der Ort, wo man in einem einzigartigen Opferkult Versöhnung mit Gott erwirken kann. Viele Priester, Händler und auch Bettler leben von diesem Heiligtum. Jesus zeigt seine Ablehnung in einer symbolischen „Reinigung“ und in einer schroffen Prophetie. Er sagt: Der Tempel wird zerstört und ein neuer, von Gott errichteter Tempel wird kommen. Eine solche Weissagung muss wahrlich als Drohung empfunden werden. Wie würden wir von einer Person denken, die Ähnliches im Petersdom täte? Männer aus der damaligen religiösen Führungsschicht ergreifen daher die Initiative. Sie fassen den Entschluss, Jesus zu beseitigen, damit wieder Ruhe herrscht. Schon viel zu lange stört dieser Mann: Er stört das so Eingespielte und Gewohnte. Er stört die religiösen Erwartungen und Spielregeln, die geläufigen Zuordnungen von „drinnen“ und „draußen“, gerecht und ungerecht, erwünscht und unerwünscht. Vor allem aber stört Jesus das gängige Bild von Gott. Wo käme man denn hin, wenn dieser Gott wirklich auf der Seite der Huren, Ehebrecher, Geldraffer und Versager steht und sogar auf sie zukommt, Kontakt mit ihnen sucht? Ja, um Gemeinschaft mit diesem Gott zu haben, braucht man – so Jesus – nicht einmal einen Tempel und auch keine Vergebungs- und Reinigungs-Rituale. Gott selbst macht sich auf den Weg, nicht sie, sondern er wählt ihre Gemeinschaft, er sprengt die Konventionen … In der rastlosen Woche vor Pascha spitzt sich der Konflikt zu. Es wird eng, es wird gefährlich, es wird todernst. Jesus weiß, dass in den allernächsten Stunden Bedrohliches passieren wird. In dieser Situation – den Tod und das persönliche Scheitern vor Augen – setzt Jesus ein letztes Zeichen.
Die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“. So formulierten die Konzilsväter (LG 11) auf dem 2. Vatikanum, was seit den Tagen der Apostel (Apg 2, 42-46) die Grunderfahrung der Christengemeinden ist. In der Eucharistie, so zeigt besonders das Johannes-Evangelium, ver- dichtet sich die Botschaft vom liebenden Gott, der für den Menschen ein „Leben in Fülle“ will – auch durch das Leid und den Tod hindurch.Mit einer neuen Reihe möchte die Kirchenzeitung einige Anstöße für eine bewusste Mitfeier der Messe geben, die in das Leben hinein ausstrahlt. Wir verbinden damit auch die Einladung, über den Wert und die Gestaltung des Sonntags nachzudenken. In den ersten beiden Folgen der Reihe will Stefan Schlager deutlich machen, dass Jesus in der Eucharistie nicht einen „frommen Ritus“ stiften wollte. Es geht um sein Vermächtnis im Angesicht des Todes.Anschließend sind sechs Beiträge mit folgenden Titeln geplant: - Die Einladung klingt interessant (Jesus lädt zum Tisch); - Alles Karma oder was? (Schuld wird heilvoll aufgebrochen, Neuanfang); - Was haben wir zu bieten? (Gabenbereitung – mit unserem ganzen Leben); - Wandlung … nicht Statik; - Ohne Grenzen (Lebende und Tote – Eucharistie durchbricht Grenzen, sogar die Grenze des Todes); - Wort Gottes (gut hinhören)
Bedenktext
Letzte Tage Kein glänzender Höhepunkt kein Sieg schon gar nichts Kuscheliges
vielmehr konfliktbeladen ernst intensi
... und bis zum Schluss sich treu geblieben uns treu geblieben Gott treu geblieben – den er lebte.