Ökumenische Delegation aus OÖ. besuchte Mostar und Sarajevo
Ausgabe: 2000/21, Mostar, Sarajevo, Ökumenische Delegation, Reise
23.05.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Drei Anläufe brauchte es, bis der Plan einer ökumenischen Reise nach Bosnien-Herzegowina Wirklichkeit wurde. Doch letzte Woche war es soweit.
Diözesanbischof Maximilian Aichern und der evangelische Superintendent Hansjörg Eichmeyer, Caritas-Direktor Josef Mayr und Diakoniewerk-Rektor Gerhard Gäbler sowie Mitarbeiter/innen der katholischen und evangelischen Kirche waren Teil einer 16-köpfigen Delegation, die von 16. bis 18. Mai Projektpartner in Mostar und Sarajevo besuchte. Im Mittelpunkt des Programms stand die feierliche Übergabe der Tagesheimstätte „Nazaret“ für behinderte Jugendlihe in Mostar, die Caritas und Diakoniewerk gemeinsam finanziert haben. Schon vor einem Jahr war die Reise geplant gewesen, der Kosovo-Krieg verhinderte die Fahrt. Ende 1999 war die Gruppe bereits unterwegs, als flugtechnische Schwierigkeiten zum Abbruch zwangen – obwohl die Freunde in Mostar warteten. Diesmal ging alles glatt.
„Nazaret“ läuft hervorragend
Seit einem Jahr ist die Tagesheimstätte „Nazaret“ für behinderte Jugendliche in Mostar in betrieb. Gut zwanzig junge Menschen arbeiten nun hier, betreut von vier Caritas-Angestellten, im Textil-, Holz- und Kreativbereich. Die Produkte – von Bilderrahmen über Teppiche bis zu Billets und Kerzen – stoßen auf viel Gegenliebe bei den Kunden der Tagesheimstätte. Nach dem Ostergeschäft ist das Lager praktisch leer, gearbeitet wird auf Hochtouren.
Wertschätzung und Verdienst
Für die meisten behinderten Menschen ist die Arbeit in Nazaret nicht nur die erste Erfahrung von Wertschätzung, sondern auch eine Möglichkeit, etwas Geld für die Familie zu verdienen. Die Eltern sind entsprechend glücklich über die Einrichtung. Eine Mutter: „Zwanzig Jahre habe ich auf dieses Haus gewartet. Ich bin stolz, dass mein Kind jetzt hier arbeitet.“ Das im ersten Stock des Hauses untergebrachte, von Frauen in Österreich finanzierte, Frauenwohnprojekt „Miriam“ lief etwas zaghaft an und entwickelt sich nun in Richtung Frauentreff und Beratungsstelle.
Partnerdiözesen Linz-Mostar
1992 ging die Diözese Linz mit dem Bistum Mostar eine Partnerschaft ein, die seither nicht nur Spenden in Millionenhöhe sondern viele Kontakte und Freundschaften hervorrief. Beim jüngsten Besuch dankte der Mostarer Bischof Ratko Peric für alle Hilfe. Beim gemeinsamen Gottesdienst in der durch Granaten beschädigten, mittlerweile fast restaurierten Kathedrale, wurden die Gäste aus OÖ mit Applaus empfangen.
Caritas Sarajevo: Zu viel Not!
Nach dem zwölfstündigen Aufenthalt in Mostar reiste die Gruppe in die bosnische Hauptstadt Sarajevo und wurde dort mit der vorbildlichen, aber uferlosen Arbeit der Caritas konfrontiert. Ein Familienhilfeprogramm umfasst zwei Kindergärten, ein Behindertenheim und „Essen auf Rädern“. Doch die Nachkriegsnot ist größer als alle Hilfsangebote, obwohl 186 mehr oder weniger wirksame humanitäre Organisationen in der Stadt tätig sind. Viele junge Leute denken ans Weggehen. Nur die reale Hoffnung auf Zukunft wird sie im Land halten.