Wir brauchen einander, damit wir einander helfen können, das innere Feuer zu entdecken, unsere Berufung!
Die französische Schauspielerin Juliette Binoche schreibt in ihrem Tagebuch: „Der Regisseur Leos Carax hat mir geholfen, Dinge zu entdecken, die in mir verborgen waren. Es ist selten, dass ein Regisseur ein solches Vertrauen entgegenbringt, selten, dass er Dinge zum Leben erweckt, die in einem stecken, die man aber selbst ignoriert.“ Damit drückt sie für mich das Ziel einer bewussten Lebensgestaltung, eines spirituellen Weges aus. Es ist ein gemeinschaftlicher Weg. Wir brauchen einander, damit wir einander helfen können, das innere Feuer zu entdecken, unsere Berufung!
Was gehört wirklich zu mir?
In einer uralten biblischen Geschichte (1 Sam 17) finde ich dieselbe Spur. David erklärt sich bereit, zum Wohle der Gemeinschaft, Goliat entgegenzutreten. Wie könnte es anders sein, dass Saul ihm vieles mitgeben will auf diesen Weg: „Saul zog David seine Rüstungen an, er setze ihm einen bronzenen Helm auf den Kopf und legte ihm seinen Panzer an, und über der Rüstung hängte er ihm sein Schwert um. David versuchte (in der Rüstung) zu gehen, aber er war es nicht gewohnt. Darum sagte er zu Saul: Ich kann in diesen Sachen nicht gehen, ich bin nicht daran gewöhnt. Und er legte sie wieder ab, nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er bei sich hatte und die ihm als Schleudersteintasche diente. Die Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister Goliat zu.“
Welch tiefe Lebensweisheit wird da ausgedrückt. Den Mut haben, abzulegen, was mich einengt, nicht zu mir passt, mir aufgedrängt wurde. Dem Naheliegenden, Alltäglichen trauen, um darin meine Lebenskraft zum Erwecken zu bringen. Rituale können dabei eine Lebenhilfe sein. Sie ermutigen zu Selbstbewusstsein, damit wir mit mehr Rückgrat unsere Lebensaufgabe entdecken können. Ein Leben lang sind wir dazu aufgerufen. Darum nehme ich mir alleine, in der Partnerschaft, in der Familie, im Freundeskreis immer wieder Zeit, um meine Rüstung, meinen Helm, meinen Panzer zu entdecken, der mich einengt. Ich suche nach meinem Stock, meinen Steinen, meiner Hirtentasche, indem ich alltäglich einübe, meiner Intuition zu trauen. Dazu gehört auch der Mut, die Kraft, andere zu enttäuschen. Es bedeutet, Idealbilder von uns selber und anderen loszulassen, damit wir „wir selbst“ werden können, Abbild Gottes.
Unser Licht leuchten lassen
Es heißt auch Grenzen setzen können. Ich kann nicht alles tun, sonst verliere ich mich. Mir hilft dabei der Gedanke, dass ich Grenzen setze für etwas und nicht gegen jemanden/etwas. Auf diesem Entscheidungsweg können wir einander unterstützen, indem wir uns aufmerksam machen auf Gaben in uns, die wir selber noch nicht entdeckt haben. Denn unsere Welt wird wärmer und farbiger, wenn wir unser göttliches Licht leuchten lassen.
Zum Innehalten
Nicht mehr länger meine Talente vergraben Du eröffnest mir Räume worin ich mich verwirklichen kann wo meine Lebenskraft fließen kann
So kann ich zum Wohle der ganzen Gemeinschaft so werden wie du mich von Anfang an gemeint hast
Nicht mehr aus Angst vor Fehlern meine Talente herunterspielen Mich dem Leben mit all seiner Faszination und seinen Herausforderungen stellen Durststrecken aushalten nicht mehr länger nur reagieren sondern agieren aus meiner innersten Mitte heraus