Am Montag, 13. November, spricht die bekannte Buchautorin Dr. Verena Kast im Ursulinenhof Linz über den „Sinn des Ärgerns“. Dr. Verena Kast, was ärgert Sie besonders? Dr. Kast: Ich ärgere mich, wenn die Menschen zu viel von mir wollen, wenn sie unachtsam miteinander umgehen, wenn der Zug immer Verspätung hat. Zornig machen mich gelegentlich unsere Politiker.
Worin besteht dabei der Sinn? Dr. Kast: Der Ärger sagt mir, dass ich in meiner Selbstentfalttung bedroht bin, weil Menschen meine Grenzen überschreiten. Das heißt, dass ich zu mir stehen und versuchen muss, diese Grenzkonflikte zu bereinigen.
Wenn Menschen zu sehr unter ihren Ärgerlichkeiten leiden – was sagen Sie ihnen? Dr. Kast: Diese Menschen ärgern sich nicht richtig.Viele ärgern sich und verändern nichts. Wo man sich wirklich ärgert, muss man etwas verändern. Wenn wir den Ärger äußern, gibt das wieder Ärger – und davor haben wir Angst. Jede Neuorganisation ist mit Angst verbunden. Mit unserem Ärger umgehen, hat mit unserem Selbstwertgefühl zu tun.
Prof. Dr. Verena Kast ist Psychotherapeutin sowie Dozentin am C.G.Jung-Institut in Zürich.