Theater am Berg: Pro & Contra – Stimmen werden lauter und drängender
Die Volksbefragung für das neue Musiktheater ruft Politiker, Künstler, Prominente auf den Plan
Ausgabe: 2000/45, Musiktheater
07.11.2000
- Elisabeth Leitner
Dass das Linzer Landestheater aus allen Nähten platzt und veraltet ist, scheint Befürwortern wie Gegnern des geplanten Musiktheaters klar. Die Schlussfolgerungen aus dieser Erkenntnis sehen allerdings sehr unterschiedlich aus.
Argumente aller Art werden nun von der Freiheitlichen Partei vorgebracht, um das neue Musiktheater zu verhindern. Ob Schulklassen, die in Containern sitzen müssen, Verlust von Bäumen, Schulden- oder Schlossberg ... jedes Mittel scheint recht, wenn nur das Theater am Berg verhindert werden kann. Zuviel Geld für Kultur am falschen Ort zur falschen Zeit, lautet der Tenor der freiheitlichen Argumente. Das war nicht immer so.
1988 wurde die Diskussion um das Linzer Landestheater eröffnet. Platzmangel vor, auf und hinter der Bühne, schlechte Akustik, Sitzplätze ohne Bühnensicht, ... machte allen deutlich, dass das Theater mit dem Landestheater ein Ende haben muss.
Im Jahr 1992 gab es im OÖ. Landtag einen einstimmigen Grundsatzbeschluss für ein neues Musiktheater. Alle Fraktionen - auch die FP – stimmten für ein neues Musiktheater mit berechneten Kosten von S 1, 2 Milliarden. Der Auftrag zur Standortsuche wurde damals erteilt. Verschiedene Standorte standen bereits zur Diskussion z. B. Frauenklinik, Unfallkrankenhaus, Volksgarten, Alt-Urfahr-Ost, Promenade. Man prüfte auch einen Um- bzw. Neubau des alten Landestheaters. Diese Variante war jedoch ungeeignet: Kosten in der Höhe von bis zu 3 Milliarden Schilling wurden dafür errechnet. Im Jahr 1994 stellte die Firma „Suter/Suter“ das Projekt „Theater am Römerberg“ vor. Der neue Standort wurde in die laufenden Untersuchungen mit einbezogen.
1995 befürwortete eine Expertengruppe den neuen Standort: „Insgesamt weist das Theater am Berg einen Ausweg aus vielen Schwierigkeiten der bisher diskutierten Theaterstandorte. ... In Abwägung allerArgumente empfehlen wir dem Land Oberösterreich ... das Musiktheater am Römerberg zu realisieren.“
Investition wird hinterfragt
1995 wurde eine Machbarkeitsstudie für diesen Standort positiv abgeschlossen, in den Jahren 1996-1998 folgte ein Architektenwettbewerb. Das Siegerprojekt von Architekt Otto Häuselmayer dürfte mittlerweile bekannt sein. Geologischen Untersuchungen zerstreuten die Bedenken für den Bau am geplanten Standort, bis 8. August 2000 konnten sämtliche für den Bau notwendige Bewilligungen erteilt werden. Soweit - so gut. Wäre da nicht ... die von derFreiheitlichen Partei initiierte Volksbefragung, die den Neubau verhindern soll. Pro und Contra-Stimmen häufen sich zur Zeit. „Kultur kostet nicht nur, Kultur bringt auch einiges“, lautete ein Pro-Argument, das FP-Obmann Dr. Hans Achatz im Jahr 1989 vorbrachte. Die Zeiten haben sich geändert. Heute argumentieren damit die Befürworter: Kulturelle Investitionen sind Investitonen in die Zukunft. Studien belegen das. Und: insgesamt 100 Milliarden Schilling werden in den nächsten fünf Jahren für Straßen- und Wohnbau, Soziales, Umwelt, ... aufgewendet, die Kosten für das Musiktheater machen 1,5 Prozent davon aus. „Es ist billig und unzulässig, wenn in der Diskussion soziales und kulturelles Engagement gegeneinander ausgespielt werden“, so Mag. Josef Habringer Leiter des Kirchenmusikreferats der Diözese Linz: „Linz ist zur Kulturstadt geworden. Das neue Musiktheater ist ein Schritt in diese Richtung.“ – „... und hat eine unverzichtbare Aufgabe als „kultureller Nahversoger“, führt Komponist Balduin Sulzer das Argument weiter. Auch der Christliche Theaterring ist für den Bau und will damit gegen Intoleranz und Egoismus auftreten. „Wenn alle nur zulassen, dass das gefördert wird, was ihnen persönlich passt, dann gibt es keine Gemeinschaft und keinen Rechtsstaat mehr“, formuliert Dr. Severin Renoldner, Vizepräsident der Kath. Aktion, seine Einwände und bittet um mehr Toleranz der Operngegner. Info: 0732/78 29 28
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