Seit unserer Geburt sind wir auf der Suche nach Lebensräumen, die wir im Schritt der Zeit durchwandern, in Sehnsucht nach Glück, Geborgenheit und Unsterblichkeit. Anderen Menschen solchen Raum zu geben, war die hl. Elisabeth von Thüringen bereit, als sie in Marburg als junge Witwe ein Hospital errichtete. Mit ihren zwei Dienerinnen von der Wartburg, Guda und Isentrud, pflegte sie dort verwahrloste Alte, Arme und Kranke. Elisabeth wollte den Menschen in Not ihre ganze Zuwendung schenken. Und gleich wie Franziskus aus Assisi das reiche Bürgertum verließ, so ließ Elisabeth das fürstliche Leben als Landgräfin hinter sich. An einem Abend, nachdem Elisabeth viele Hilfesuchende versorgt hatte, entzündete sie im Freien ein Feuer, das bald Licht und Wärme spendete. Da sie sah, wie die Leute zu singen und tanzen begannen, sagte Elisabeth voll Freude: „Seht, wir müssen die Menschen froh machen.“Elisabeth, die nun das Kleid der Tertiarinnen des hl. Franziskus trug, versuchte durch ihre Zuwendung den Menschen Leben zu ermöglichen. Es war ihr nicht genug, die eitrigen Wunden zu verbinden oder für Hygiene und Brot zu sorgen. Elisabeth wollte sich daran freuen, dass der Andere sich wohl fühlt, froh und glücklich sein kann. Ihre Hilfe war nicht ein Almosengeben von oben herab, sondern sie kam selbst herunter, um durch ein einfaches Leben den Armen wahrhaft Schwester zu sein. Ihr karitatives Wirken dauerte nur wenige Jahre, bis zu ihrem frühen Tod. Ihrem Beispiel folgten viele Nachahmer bis in unsere Zeit. Erst 400 Jahre später gründete Mutter Apollonia Radermecher als Leiterin des Hospitals in Aachen eine Schwesterngemeinschaft. Sie nahm die Regel vom dritten Orden des hl. Franziskus sowie das Vorbild der hl. Elisabeth zur geistlichen Grundlage für den neuen Orden der Elisabethinen. Seit 255 Jahren wirken die Elisabethinen in Linz als selbständige Gründung. Der Geist der hl. Elisabeth ist wie eine Pflanze, die gepflegt werden will, damit sie weiterwachsen kann. Unsere Ordensgemeinschaft lebt aus den Quellen des Evangeliums, wenn sie den Dienst an den Kranken als das Öffnen eines Lebensraums versteht, als Zuwendung zu den Menschen, die aufrichtet und aufatmen lässt und die Menschen froh macht.Wir freuen uns, wenn dem Menschen neben uns die Last etwas leichter geworden ist – durch wiedererlangte Gesundheit, Linderung von Schmerzen, oder weil jemand geduldig zugehört hat. Elisabeth erlebte dies als Freude, die ins eigene Herz zurückströmt – wie eine Quelle.