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Jahrelange Arbeit zerstört

Solange Ungerechtigkeit andauert, ist Versöhnung äußerst schwierig
Ausgabe: 2000/47, Bethlehem, Friedenslicht, ORF,
21.11.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
„Als Christin glaube ich an die Versöhnung, doch als Mensch erlebe ich nun das Gegenteil“, beschreibt Claudette Habesch ihre innere Zerrissenheit.

Als sich die Vertreter der Caritas im Mittleren Osten und Nordafrika (MONA) Mitte Oktober zu ihrer Konferenz trafen, bot sich ihnen ein erschreckendes Bild. Der ansonst Hoffnung und Zuversicht ausstrahlenden MONA-Präsidentin Claudette Habesch versagte mehrfach die Stimme. „Sie war gezeichnet von der ausufernden Gewalt im Heiligen Land“, berichtete ein Teilnehmer der Kirchenzeitung. „Ich habe diese starke Frau noch nie so erlebt.“

Die Katholikin, die seit 1987 die Geschicke der Caritas im Heiligen Land lenkt, macht aus ihrer Enttäuschung kein Geheimnis: „Die Arbeit der vergangenen Jahre wurde innerhalb weniger Tage zerstört. Wir haben viel dafür getan, Palästinenser und Israelis zusammenzubringen. Vor allem unter Jugendlichen wollten wir den Versöhnungsprozess starten: Die Anwesenheit des anderen anerkennen und das Leben miteinander teilen.“

Doch gegenseitiges Anerkennen und Vergeben wurde von Steinen und Gummigeschoßen abgebrochen. Habesch: „Momentan erweckt es den Eindruck, als wäre alles nur Zeitverschwendung gewesen, Verschwendung von Energie und Geld. Denn Hass und Abscheu geben wieder den Ton an. In unseren Bemühungen wurden wir wieder zum Nullpunkt zurückgeschleudert.“

Diplomatie und Interessen

Erst vergangene Woche erlebte die Palästinenserin erneut ihre eigene Zerrissenheit. In Ramallah wurde sie von Mitarbeitern auf die Versöhnungsarbeit angesprochen. „Bevor ich eine Antwort geben konnte, musste ich innehalten und mir sagen: ,Claudette, du bist Christin und du musst an die Versöhnung glauben. Das gehört zur Grundlage deiner Religion.‘ Aber als Mensch ist es für mich heute schwer, davon zu sprechen. Denn solange diese Ungerechtigkeit andauert, ist Versöhnung äußerst hart.“

Mit der seit Wochen andauernden Gewalt hat sich bei Claudette Habesch ein Lebensgefühl wieder eingestellt: „Wir erleben, wie verletzlich wir sind. Es gibt immer nur die Diplomatie, die handelt. Sie wiegt die Interessen der einen und der anderen Seite ab. In der Zwischenzeit aber sterben Kinder oder werden Häuser niedergebrannt.“

Und vergangene Woche erlebte Frau Habesch noch vor Abriegelung der Autonomiegebiete auf dem Rückweg von Ramallah in das Caritas-Büro, wie sie es nennt, „die Geschichte unseres Lebens“. Beim Checkpoint vor Jerusalem musste sie mit dem Auto 90 Minuten warten. Eine Notwendigkeit dafür bestand nicht, alle anderen Wagen passierten friedlich. „Ich musste warten, bis sie sich entschieden hatten. Das ist der Weg, um uns Palästinenser einzuschüchtern und uns zu zeigen, wer die machtvolle Kraft hier ist.“




Zur Sache:


„So schwierig wie heuer war es noch nie, das Licht aus Bethlehem zu holen“, sagt Gisela Schreiner, die bereits zum 15. Mal die AktionFriedenslicht aus Bethlehem im ORF-Landesstudio Linz organisiert. Und dennoch soll am 23. November der zwölf-jährige Benjamin Forstinger aus Traun das Licht aus der Geburtsgrotte bringen, damit es am 24. Dezember auf den Christbäumen wird leuchten können. Doch wie schon im Golfkriegsjahr 1990 darf das Friedenslichtkind den Flughafen in Tel Aviv aus Sicherheitsgründen nicht verlassen.

Odyssee des Friedenslichtes

Heuer muss das Friedenslicht erst eine unüberwindbare Grenze bezwingen, bevor es am Flughafen weitergereicht werden kann. So wird Fadi Samur, ein zwölfjähriger palästinensischer Christ, das Licht in der Geburtsgrotte entzünden. Da es ihm wegen der Abriegelung der palästinensischen Autonomiegebiete unmöglich ist, das Licht in das israelische Tel Aviv zu bringen, übergibt er es an der Grenze an Ronni und Tali Epstein. Die jüdischen Zwillingsschwestern (9) geben dann am Flughafen das Friedenslicht an Benjamin weiter.




Hilfe Konkret:


Wenn bei uns ein Licht aus Bethlehem leuchtet

„Angesichts der Gewalt können wir das Friedenslicht aus Bethlehem nicht entgegennehmen, ohne es zum Licht für Bethlehem zu machen“, sagt Dr. Hans Hollerweger. Darum startet die österreichweite „Initiative Christlicher Orient“ ein Hilfsprogramm für den Geburtsort Jesu, einem der christlichen Zentren im Heiligen Land. Hollerweger, Sprecher der Initiative: „In den Krankenhäusern fehlen notwendigste Medikamente. Familien haben keine Herberge mehr, weil ihre Häuser zerbombt sind. Und wir wollen jenen helfen, die durch den Verlust ihrer Ernährer oder wegen Arbeitslosigkeit um das Überleben kämpfen.“ Organisiert wird die Hilfe von der Caritas Jerusalem.

Spendenkonto: Caritas Salzburg, Konto 41533, Raika Salzburg (BLZ 35.000), Kennwort: „Licht für Bethlehem“
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