Linzer Malerei Hirsch kooperiert mit bfi-Beschäftigungsprojekt
Ausgabe: 2000/48, Malerei Hirsch, Arbeitslos, RenoTop, Firma Hirsch,
28.11.2000
- Ernst Gansinger
Arbeit trainieren unter realen Bedingungen der Wirtschaft – eine Zusammenarbeit will Beispiel geben.
„Die Zusammenarbeit am Markt hat Sinn“, sagt Otto Hirsch, Chef der Malerei Hirsch in Linz. Seine Firma beschreitet seit Sommer dieses Jahres einen besonderen Weg: Auf zwei Baustellen arbeitet man mit dem Arbeitslosen-Projekt „RenoTop/Malerei“ des Berufsförderungsinstitutes OÖ (bfi) zusammen. „Ich habe hier nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit und Notstand wieder eine Arbeit“, sagt Silvia Mörzinger. Sie ist eine von elf Frauen des Welser „RenoTop/Malerei“-Projektes und derzeit im Einsatz bei einer Baustelle der Firma Hirsch in einem WAG-Wohnhaus am Bindermichl in Linz. Bis Juni kommenden Jahres wird sie sich bei „RenoTop“ fit für eine Arbeit am freien Arbeitsmarkt machen. Vielleicht wird sie sogar von der Firma Hirsch übernommen. Denn das ist eine der erwünschten Wirkungen und Nebeneffekte dieser Zusammenarbeit.
Gerüstet sein
„Wenn Silvia solche Baustellen schafft, ist sie gerüstet für die kommenden Anforderungen. Auf den Baustellen lernt sie den Umgang mit den Kunden und Vorgesetzten.“ Heidi Pachinger von der bfi-Frauenwerkstatt Wels ist voll Zuversicht, was die Chancen der ihr anvertrauten Projektteilnehmerinnen betrifft. Bei „RenoTop“ sind Langzeitarbeitslose verschiedenen Alters beschäftigt. Wenn sie wie in dieser einzigartigen Kooperation mit der Firma Hirsch die Möglichkeit haben, Erfahrungen im freien Arbeitsmarkt zu sammeln und sich zu bewähren, hat dies eine besondere Qualität. „
Aber nicht alleine bfi zieht eine hoch positive Bilanz. Auch Malermeister Hirsch sieht nur Vorteile: Personalknappheit kann er flexibel ausgleichen. Arbeitslose Menschen werden unter Echtbedingungen wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt. Beschäftigungsprojekte können einen größeren Anteil ihrer Kosten selbst erwirtschaften. Otto Hirschs Ja zur Beschäftigung von Menschen aus Arbeitslosenprojekten auf dem freien Markt stößt aber nicht nur auf Zustimmung. „Die schnappen uns, weil sie billiger anbieten, Aufträge weg“, sorgt sich Oberösterreichs Innungsmeister-Stellvertreter Schwarz. Er meint damit „RenoTop“, weil das Projekt auch bei gemeinnützigen und öffentlichen Projekten Dienste anbietet.
Hirsch hält dagegen: „Wir haben einen Facharbeitermangel. Daher müssen arbeitslose Menschen so schnell wie möglich wieder zurück in die Wirtschaft.“ Dies gehe am besten über Erfahrungen unter den Bedingungen der Wirtschaft. Otto Hirsch ist daher für offensive Unterstützung, für Zusammenarbeit.
Breite Basis
Bei größeren Aufträgen tritt die Firma Hirsch mit Subunternehmen auf oder ist auf Leasingarbeiter angewiesen, um flexibel auf Nachfragespitzen reagieren zu können. „RenoTop“ wird gleich behandelt wie andere Subunternehmer. Nur dass die Leute von „RenoTop“ nicht gleich schnell fertig sein müssen. Dies funktioniert, wenn auch die Auftraggeber hinter der Kooperation stehen, wie die WAG. Rundum also ein Kooperations-Projekt.
Stichwort:
RenoTop
Unter „RenoTop“ fasst das Berufsförderungsinstitut OÖ (bfi) Ausbildungs- und Beschäftigungseinrichtungen zusammen. Im Auftrag des Arbeitsmarktservices OÖ werden arbeitslose Personen in eigenen Betrieben oder in Zusammenarbeit mit Firmen am regionalen Arbeitsmarkt qualifiziert und beschäftigt. Die Bereiche sind Bauen und Sanieren, Malen und Anstreichen. „RenoTop“ arbeitet hauptsächlich für öffentliche und gemeinnützige Auftraggeber und ist eingebettet in „RenoQualifikation“, womit bfi Kurse und Beschäftigung (220 Plätze) anbietet. Die Kurse dauern drei bis zwölf Monate. Arbeitsverhältnisse sind befristet abgeschlossen. Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess ist das Ziel.
Firma Hirsch
Die Firma Hirsch ist ein traditioneller Malereibetrieb in Linz. In Österreich beschäftigt der Betrieb derzeit 70 Menschen. Auch in mehreren europäischen Ländern ist die Firma Hirsch präsent: Polen, Tschechien, Türkei, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Slowakei, Russland. Firmenchef Otto Hirsch ist zudem umfassend sozial engagiert.