Aus über 30 Einsendungen zur Schreibwerkstatt „Generationen erzählen“ haben wir einige Beiträge ausgewählt. Heute berichten Erna König, 59 Jahre, und ihre Mutter Theresia, 87 Jahre, über Weihnachten damals.
Weihnachten nach dem 1. Weltkrieg, erzählt von Theresia Federsel aus Sierning. Weihnachten war ein Fest, das wir mit großer Freude erwarteten. Den 24. Dezember empfand ich wirklich als „Heiligen“ Abend. Mein Vater ging durch das Haus räuchern, ich durfte die Räume mit Weihwasser besprengen. Dann wurde die Weihnachtskerze entzündet. Wir knieten alle nieder und beteten dreimal: „Heilig, heilig, heilig ...“ Beim Kripperl brannten die Kerzen, alles war feierlich und hat mich tief ergriffen. Ich glaube, hier habe ich eine Gottesbegegnung erlebt. Nach dem Rosenkranz und einem einfachen Essen wurden die Lichter am Christbaum entzündet. Die Neugierde auf die Geschenke stieg. Einmal bekam ich eine Puppe, wofür meine Mutter ihren guten Wollkittel hergab. Dann gab es Tee und Kekse. (...)
Weihnachten nach dem 2. Weltkrieg, Erna König aus Sierning berichtet: Klein war das Haus und eng war der Platz für unsere zehnköpfige Familie. Doch in der Stube war es warm und wohlig. (...). Jeden Abend vor dem Schlafengehen, wenn die Kerzen am Adventkranz brannten und wir gebetet hatten, durften wir Kinder für jede gute Tat, die wir an diesem Tag vollbracht hatten, einen Strohhalm in das bereitgestellte Kripperl legen. Zu Weihnachten konnte dann das Jesuskind weich darauf liegen. Als Weihnachtsessen wünschte ich mir jahrelang Brot mit Butter und Sardinen. Geschenke waren hauptsächlich praktisch ausgerichtet, etwa Strümpfe oder Unterwäsche, doch die eingewickelten Zuckerl am Christbaum zählten zu den begehrtesten Köstlichkeiten. Am 24. Dezember wurde immer aus der Kinderbibel vorgelesen. Nachher besuchte uns stets die Nachbarin mit ihrem behinderten Mann. Die Kastenkrippe beeindruckte mich durch viele Figuren und Tiere. Auf zwei Kerzenleuchtern brannten die Lichter und widerspiegelten die Heiligkeit des Abends. Auf einem Zierdeckerl war „Stille Nacht – Heilige Nacht“ eingestickt – nach 50 Jahren sehe ich alles noch lebendig vor meinen Augen.