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... ein Platz ist leer

Der Schmerz ist groß, kann die Freude je wieder kommen?
Ausgabe: 2000/51, Weihnachten, Trauer
19.12.2000
- Maria Haunschmidt
Wenn ein lieber Mensch verstorben ist, löst das oft Schock, Trauer, lähmendes Entsetzen und Angst vor der Zukunft aus. Besonders spürbar ist der leere Platz an Festtagen, vor allem zu Weihnachten.

„Am liebsten möchte ich gar nicht feiern!“, sagt Marianne, die heuer ihren Mann verloren hat.„Das erste Jahr nach einem Todesfall ist am schlimmsten, besonders so ,gefühlsbeladene’Tage wie Ostern, Muttertag und natürlich Weihnachten“, weiß die Familienberaterin Christiane Sauer. Sie hat selber ihre Mutter früh verloren und hält seit einigen Jahren Trauerseminare ab.
Es ist Verzweiflung und Traurigkeit, es ist vielleicht auch das schlechte Gewissen: Kann, darf ich feiern, wenn du nicht mehr da bist? Anfangs denken alle daran, was der geliebte Mensch eingebracht hat, er hat noch einen festen Platz. Man glaubt, jeden Moment muss er hereinkommen, glaubt, ihn zu sehen, träumt von ihm.
Je mehr er im Herzen verinnerlicht ist, umso mehr kann man sich von äußeren Dingen, wie von Kleidung und anderen Erinnerungsstücken trennen, das dauert aber oft lang, manchmal zwei Jahre und länger. Es helfen kein billiger Trost, keine Sprüche, es hilft nur das Da-Sein, Anteilnahme, Zuhören, Verstehen und Mitweinen, auch mögliche Launen zu ertragen, die aus der Verzweiflung erwachsen.

Es braucht viel Zeit

„Trauern braucht viel Zeit, und jeder Trauernde muss neu eine Form für sein eigenes weiteres Leben treffen!“, so die Familienberaterin. „Der Verlust eines geliebten Menschen“, sagt die Krankenhaus-Seelsorgerin Mag. Franziska Mair „ist wie eine brennende Wunde. Dass die Zeit alle Wunden heilt, stimmt nur zum Teil: eine tiefe Narbe wird immer bleiben.“Der Schmerz wird mit der Zeit erträglicher, wie vorher wird es aber nicht mehr sein , sondern anders. Man kann auch durch Zusammenrücken die Lücke nicht schließen: Ein Platz bleibt immer leer. Das Familiengefüge verändert die Form, man steht nun auf einem anderen Platz. Irgendwann – dies kann man sich anfangs nicht vorstellen – kann man „hinschauen“ und es tut nicht mehr ganz so weh. „Der Verlust des lieben Menschen gehört dann zum Leben dazu!“ so Christiane Sauer. Wenn man intensiv genug getrauert hat, kann man sich wieder auf das eigene Leben konzentrieren.
Oft belasten uns ungelöste Konflikte, die wir mit einem Verstorbenen hatten. Mit gläubigen Menschen teilt Christiane Sauer die Gewissheit, im Tod werden wir neu und in Liebe vollendet, da wird alles verziehen. Kleinlicher Hader ist kein Problem mehr.
Ein hoffnungsreicher Trost ist, dass uns der Verstorbene nahe bleibt und uns stützt und hilft.


Wie lässt sich weiterleben?


Die Gedanken kreisen um den Toten, gerade um Weihnachten, es braucht Formen der Bewältigung. Das bedeutet, ein Stück mit dem Schmerz umzugehen, Abschied und Verarbeitung zu ermöglichen:
- Fotos aufstellen, Kerze anzünden, Blumen hinstellen ... Gebete und Psalmen und andere besinnliche Texte bereitlegen zum Nachlesen und Nachdenken.
- Es hilft auch, den „Dialog” nicht abbrechen zu lassen, Austausch weiterzupflegen, gerade zu den Feiertagen jeden Tag zum Grab zu gehen.
- Anfangs hilft es, den Verstorbenen „einzubeziehen“, zum Beispiel in die Weihnachtsrituale, in die Gebräuche und Art der Festgestaltung: bewusst seinen/ihren Part zu übernehmen (das hätte ihm/ihr gefallen!), ev. den Tisch für ihn/sie zu decken, die Lieblingsspeise zu kochen. Der Christbaum wird geschmückt, wie er/sie es gern hatte.
- Darüber nachdenken, sich eventuell mit den anderen darüber austauschen: Was hat mein/unser Leben bereichert, was soll weiterleben von ihm/ihr? Was würde er/sie von mir/uns jetzt erwarten?
- Die Kinder zeichnen ein Bild und legen es zur Krippe als Geschenk für das verstorbene Familienmitglied, vielleicht kann diese Form auch einem Erwachsenen etwas geben, z. B. in Form eines Briefes.
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