Maria, geboren in einer Zeit, in einem Land, in dem die Sehnsucht groß war und ist nach Frieden und Freiheit. Diese Maria ist unterwegs, schwanger unterwegs zu Elisabet, nach Bethlehem, unterwegs nach Ägypten, nach Nazaret, nach Jerusalem, unterwegs, unterwegs …ein Leben lang. Maria geht viele Wege: Wege der Freude und Hoffnung … Wege der Flucht und des Ausgegrenzt- und Heimatlosseins … Wege, auf denen sie die Widersprüche des Lebens bitter zu spüren bekommt, Wege der Sorge und Angst, Wege der Tränen und des erdrückenden Leides. Marias Weg ist ein Weg der Solidarität, denn sie ist alle Wege, soweit eben eine Mutter mit ihren Kindern gehen kann, mitgegangen.
Maria eilt. Sie ist voll Freude über etwas Großes. Sie lädt aber auch zum Verweilen ein; den, der Hilfe braucht, wo Verwundungen tief und schmerzlich sind. Der Advent ist so ein Aufbruch und Wandern, ein Verweilen und Innehalten, um die Weihnacht zu finden und zu erfahren. Eine freundige Begegnung zweier Frauen, die beide ein Kind erwarten. Sie können sich gegenseitig Stütze und Ermutigung sein. Elisabet, die Ältere, hat Lebenserfahrung. In ihrer Rückschau erkennt sie: Gott ist gnädig über meinem Leben. Maria hat geglaubt und Ja gesagt zu dem, was Gott mit ihr vorhat. Für diesen Glauben verdient sie das Lob der Elisabet: „Selig bist du.“ Voll Hoffnung und Freude beginnt Maria ihr Frausein mit der Gewissheit: Gott ist mit mir. Ich darf dem Leben trauen, weil Gott es mit mir lebt. In dieser Begegnung zeigt sich Größe und Würde, erahnt man eine Kraft, die von diesen beiden Frauen ausgeht.
Begegnung, Beziehung und Austausch geschehen dort, wo Menschen sich anerkennen, wo sie einander achten, wo sie nicht überheblich handeln, wo niemand diskriminiert wird und wo es keine Vorurteile gibt. Begegnung, Beziehung und Austausch geschehen dort, wo Menschen den Blick für die Schicksale der anderen nicht verloren haben und sich auf deren Seite stellen, wo Menschen einander stärken, stützen und Mut machen, im Leid mittragen, aber auch Freuden miteinander teilen. Denn Weihnacht wird es nur dann, wenn wir uns den Glauben an das Weihnachtsgeheimnis durch nichts verdrängen oder zerstören lassen. Weihnacht wird es dann, wenn einer zum andern sagt: Es tut mir Leid, verzeih, versuchen wir es wieder … wenn wir innewerden, dass Liebe zu schenken mehr ist als Liebe zu nehmen … wenn … Dann wird Gott auch einmal zu uns sagen: „Selig bist du, weil du geglaubst hast!“