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379 Tage Heiliges Jahr

Am 6. Jänner schließt Johannes Paul die letzte Heilige Pforte
Ausgabe: 2001/01, Heiliges Jahr, Heilige Pforte,
03.01.2001
- Walter Achleitner
24,2 Millionen Menschen sind in den 54 Jubiläumswochen des Jahres 2000 nach Rom gekommen. Der Erfolg des Heiligen Jahres jedoch lässt sich kaum in Zahlen messen.

Als kurz vor Mitternacht am 24. Dezember vergangenen Jahres Papst Johannes Paul die Heilige Pforte im Petersdom aufstieß und damit das „Große Jubiläum des Jahres 2000“ feierlich eröffnete, da waren manche Beobachter skeptisch: Wird es gelingen, 380 Tage lang das Jubiläum sinnvoll und würdig zu feiern?
Doch die Skeptiker verstummten spätestens am 20. August. Mit zwei Millionen Teilnehmern wurde zum Abschluss des Weltjugendtages der größte Gottesdienst in der Geschichte der Ewigen Stadt gefeiert. Und trotz Hitzerekorde und teils chaotischer Zustände sprachen selbst Teilnehmer vom religiösen Erfolg des „Mega Events“. Denn vor allem der Papst hatte es verstanden, die unglaubliche Menge junger Menschen zu begeistern und in ihnen einen religiösen Nachdenkprozess in Gang zu setzen.Doch schon zuvor hatte sich gezeigt, dass der Papst mit seiner Idee einen Volltreffer gelandet hatte: alttestamentliche und mittelalterliche Traditionen des Heiligen Jahres zur Jahrtausendwende neu in Szene zu setzen. Während hochtrabende Events, wie die Expo 2000 in Hannover, nicht den erhofften Anklang fanden, entwickelte das „Anno Santo“ eine weltweite Faszination.

Bilder, die bewegten

Johannes Paul selbst setzte vor allem in der Fastenzeit dichte religiöse Akzente. Am 12. März legte er in einer eindrucksvollen Zeremonie ein Schuldbekenntnis für die Verfehlungen in 2000 Jahren Kirchengeschichte ab. Acht Tage später begann seine historische Reise ins Heilige Land. Der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gilt als Meilenstein in der Aussöhnung zwischen Kirche und Judentum. Vor allem die Bilder von Karol Wojtila mit jüdischen Jugendfreunden, die den Nazi-Terror überlebt hatten, haben Brücken gebaut. Und nach jüdischer Tradition, Gebete an Gott in die Klagemauer zu legen, steckte der Papst die Vergebungsbitte der Kirche für die Schuld gegenüber dem jüdischen Volk in eine ihrer Ritzen.

Erfolgsrezept

Jüngsten Zahlen zufolge sind 24,2 Millionen Menschen im Heiligen Jahr nach Rom gekommen. Zwar lassen sich Pilger von den Touristen kaum unterscheiden, dass es aber dennoch so viele waren, dazu haben vor allem die „speziellen“ Feiern beigetragen. Kinder und Senioren, Bauern, Köche oder Politiker und Wissenschafter – sie alle strömten teils zu Zehntausenden in die Ewige Stadt. Oft waren damit Kongresse verbunden, bei denen die Herausforderungen des neuen Jahrtausends das Thema waren.Inwieweit diese 379 Heiligen Tage ihre anderen Ziele erreicht haben – Neuevangelisierung und persönliche Umkehr – lässt sich kaum messen. Aus den langen Schlangen vor den Beichtstühlen wird auf Impulse für das Bußsakrament gehofft. Mit „starker religiöser Sensibilität“ sollen immerhin 43 Prozent der Pilger aus Italien wieder nach Hause gefahren sein. Und in der Umfrage gaben 29 von Hundert an, Gebet und Sakramente neu entdeckt zu haben.




Zur Sache:


Ein großartiges Erlebnis

Vom 15. bis 20. August war Rom in den Händen der Jugend. Zwei Millionen nahmen am Weltjugendtreffen teil. Birgit Fischer (17) aus Götzens war mit dabei.

Was haben diese Tage in Rom für Sie bedeutet?
Fischer: Das wichtigste war für mich die tolle Erfahrung, in eine große Gemeinschaft gläubiger Jugendlicher eingebunden zu sein. Das begann schon mit der Anreise und setzte sich in Rom fort. Überall traf ich – trotz der großen Hitze und des enormen Gedränges – auf fröhliche junge Leute, die nicht nur oberflächlich gut drauf waren. In verschiedenen Sprachen sangen und beteten wir miteinander. Ein Höhepunkt im dichten Programm war das Österreichertreffen. Unvergesslich in Erinnerung bleiben wird mir die Nacht auf dem Universitätsgelände Tor Vergata mit der darauffolgenden Papstmesse. Zwei Millionen Jugendliche, die miteinander ihren Glauben bekennen! Schade, dass wir von unserem Platz aus den Papst nur auf der Videowand sehen konnten.

Was bleibt für Sie von diesem Jugendtreffen?
Fischer: Zunächst einmal, dass ich keine Exotin bin, wenn ich als junge Frau an Jesus glaube. Auch ein Stück Ermutigung für meine Tätigkeit als Jungschargruppenleiterin, eine Arbeit für junge Menschen, die von Erwachsenen oft zu wenig geschätzt wird. Der Wunsch, wieder nach Rom zu fahren, wenn weniger Leute sind. Und eine liebe Brieffreundin aus Polen.




Einzigartiges Zeichen

Erstmals in der Geschichte wurde am 18. Jänner eine Heilige Pforte ökumenisch geöffnet. Vertreter 23 christlicher Kirchen nahmen am „Wunder von St. Paul“ teil – seit Ende des II. Vatikanischen Konzils wurden nicht mehr so viele Gäste gleichzeitig in Rom gezählt. Auch das Gedenken an die Märtyrer des 20. Jahrhunderts am 7. Mai im Kolosseum war ein beeindruckendes Zeichen der Ökumene. Doch mit der Seligsprechung von Pius IX. am 3. September und der Publikation von „Dominus Iesus“ mischte sich Verstimmung in die ökumenischen Beziehungen.

Überraschend lässt am 13. Mai Johannes Paul II. beim Besuch im portugiesischen Marienwallfahrtsort das „Dritte Geheimnis von Fatima“ bekanntgeben: In Symbolsprache wird auf die Verfolgung der Kirche im 20. Jahrhundert sowie das Attentat vom 13. Mai 1981 verwiesen. Zwei der Seherkinder, Jacinta und Francesco, werden seliggesprochen.




Hintergrund:


Wir hatten den Papst im Nacken

Das biblische „Jubeljahr“ hat Johannes Paul II. in politische Forderungen für das Heilige Jahr 2000 umformuliert.

- Entschuldung: Vor allem sein Aufruf zum Schuldennachlass für die ärmsten Länder hat weltweites Echo ausgelöst. „Enorme Fortschritte“ wurden erzielt, die kaum jemand für möglich gehalten habe, urteilt Bischof Diarmuid Martin vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Welchen moralischen Druck der Papst ausgeübt hat, machte der Vorsitzende des Entwicklungshilfe-Ausschusses im US-Kongresses deutlich. Sonny Callahan sagte gegenüber der New York Times: „Wir haben den Papst und alle Missionare auf der weiten Welt im Nacken, die so ziemlich jeden davon überzeugt haben, dass der Schuldenerlass eine edle Sache ist.“ Unter diesem Druck gaben selbst skeptische Republikaner grünes Licht für eine US-amerikanische Beteiligung am Schuldennachlass. In Zahlen fällt die Bilanz zurückhaltender aus: statt 41 kamen nur elf Länder bisher in den Genuss der Schuldenreduktion.

- Todesstrafe: Drei Millionen Unterschriften für das Aussetzen der Todesstrafe übergab „Moratorium 2000“ am 18. Dezember an UN-Generalsekretär Annan. Südkoreas Bischöfe starteten eine Kampagne zur Abschaffung der Todesstrafe. Mitte Dezember kündigte Staatspräsident Estrada an, auf den Philippinen alle bisher verhängten Todesurteile in lebenslange Haft umzuwandeln.

- Amnestie: Eindringlich rief der Papst alle Regierungen mehrfach auf, Gefangenen eine Strafverkürzung zu gewähren. Gleichzeitig setzte er sich in Italien für die Freilassung des zu lebenslanger Haft verurteilten Papstattentäters ein: Ali Agca wurde am 13. Juni begnadigt. Viele Staaten gewährten aufgrund kirchlicher Appelle eine Sonderamnestie.




Diözese:


Das Heilige Jahr in Oberösterreich

- In Anlehnung an die Öffnung der Heiligen Pforte durch den Papst in Rom sind Diözesanbischof Maximilian Aichern und Erzbischof Alois Wagner zum Weihnachtshochamt 1999 feierlich durch das Hauptportal in den Linzer Dom eingezogen. Damit war das Heilige Jahr auch in Oberösterreich offiziell eröffnet.

- Das beliebte Diözesanjahrbuch der Diözese Linz erschien zum Heiligen Jahr in neuer Aufmachung – und das Heilige Jahr selbst war Hauptthema dieser „Festschrift der Kirche zum Jahr 2000“.

- Bischof Maximilian Aichern hat in einem Bischofswort zum Jahresbeginn und im Fastenhirtenbrief die Thematik des Heiligen Jahres für die Diözese aufgegriffen.

- Vor allem in der Fastenzeit haben zahlreiche Pfarren und Dekanate Besinnungen und Gottesdienste gehalten. Ob es eine Votivkerze in Lauffen ist, die von den Kirchenbesuchern gestiftet wurde, oder ein Pfarrkalender zum Heiligen Jahr für alle Haushalte in Grünau, die Umsetzungen waren sehr vielfältig. Wie ein roter Faden zog sich das Heilige Jahr durch das geistliche Programm einzelner Pfarren, wie etwa in Aspach. Bei Dekanats- und Pfarrpilgerfahrten stand ebenfalls das Heilige Jahr im Mittelpunkt. Eine Reihe von Pfarren – wie etwa die Stiftspfarre Lambach, fuhren nach Rom.

- An der offizellen Diözesanwallfahrt zum Heiligen Jahr beteiligten sich Ende März 190 Oberösterreicher/innen. Bischof Aichern führte die Wallfahrer persönlich an. Im Oktober folgte eine weitere Wallfahrt nach Aquilea im Friaul. Auch diese Fahrt wurde von Bischof Aichern angeführt. Von dort kam in den ersten Jahrhunderten der Glaube in die Donauregion. Die Heiligen Severin und Florian stehen für diese Zeit.
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