Gott freut sich seines Volkes. Diese Freude Gottes wird mit der Freude des Bräutigams an seiner Braut verglichen. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“ So liebt Gott. Was für ein aufregender Gedanke für die Beziehung mit Gott. Es wäre zu wünschen, dass solch eine Perspektive und Erfahrung das Leben des einzelnen Christen, der einzelnen Christin und der ganzen Kirche bestimmte. Viel Freude und große Gelassenheit wäre das Ergebnis. Welche Chance hätten dann Angst und Unsicherheit? Und Gottes Liebe macht schön. Die anderen merken das und sehen „ihre strahlende Pracht“. Wer sich geliebt weiß, kann das auch gar nicht verbergen.
Halt! Das Prophetenwort gilt historisch und grundsätzlich zunächst für Israel. Der Prophet Jesaia tröstet das Volk, das gerade die lange Zeit der Gefangenschaft hinter sich hat. Aber was Israel mit Gott erlebt, wird zum Beispiel und Maß für die Beziehung Gottes zur Kirche. Was wir immer wieder als Christen von neuem lernen müssen, ist, uns der Liebe Gottes zu freuen und dankbar dafür zu sein, ohne Israel, den älteren Bruder, wegzustoßen. Jede Lesung aus dem Alten Testament erinnert uns an die unaufgebbare Beziehung zu Israel und was wir ihm verdanken. Christen haben das viel zu lange verdrängt. Jede Lesung des Alten Testamentes kann als Zeichen der Hoffnung auf Besseres verstanden werden! Diese aufregende und leidenschaftliche Liebe Gottes verkörpert Jesus. Jesus strahlt Freude und Zuversicht aus. Und wir singen nicht ohne Grund in der Zeit von Epiphanias: „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude …!“
Das Evangelium von der Hochzeit zu Kana nimmt direkt den Gedanken der Liebe von Braut und Bräutigam auf. Jesus ist hier nicht der Bräutigam, obwohl auch dieses Bild im Johannesevangelium verwendet wird. Johannes der Täufer nennt ihn den Bräutigam und sich selber „den Freund des Bräutigams“ und sagt dann: „Der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.“ (Joh 3, 29) In Kana ist Jesus einfach dabei. Er freut sich mit und hilft durch ein Wunder, dass das Feiern weitergehen kann. Jesus ist kein Spielverderber. Er schafft Raum zum Leben für seine Freunde und Freundinnen, damit sie Leben gewinnen, und zwar Leben in Fülle. Die große Menge Wein in Kana bei der Hochzeit ist Zeichen dieser versprochenen Fülle.
Von einer Fülle ganz anderer Art spricht der Text in 1 Kor 12. Die Gemeinde in Korinth ist reich an Gaben. Der Apostel sagt es gleich am Anfang des Briefes: „Euch fehlt keine Gnadengabe“ (1, 7)! Wir können das mit dem Anfang verknüpfen: weil Gott sich seiner Kirche freut, schenkt er ihr Geistesgaben verschiedenster Art! Das Problem der Korinther ist auch unser Problem: wie gehen wir richtig mit den geschenkten Gaben um?! Diese Gaben werden nicht mit Gebrauchsanleitung gegeben. Sie werden Menschen gegeben, die in der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn (1, 9) ein neues Leben empfangen haben und nun gemeinsam lernen, in dieser Welt als seine Jünger und Jüngerinnen zu leben, als seine Botschafter und Botschafterinnen Versöhnung zu verkündigen und Versöhnung zu stiften (2 Kor 5, 20f). Und gelernt muss es werden. Denn ganz leicht spielt die eigene Eitelkeit mit und die geschenkte Gabe wird zum Mittel, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Der Apostel macht es klar: die Gaben sind zum Dienst gegeben, nicht zur Selbstverwirklichung und zur Selbstverherrlichung. Sie sollen allen dienen und die Gemeinschaft erbauen. Und: gabenlos ist niemand. Jeder und jede hat eine Gabe, aber eine oder einer hat nicht alle Gaben. Die Liebe ist das Maß für den rechten Gebrauch und ob es zur Ehre Gottes geschieht. Das wäre dann die richtige Antwort auf die Liebe Gottes zu uns. Die Kirche ist Frucht der Freude Gottes, nicht seines Zorns. Das sollte nie vergessen werden.