Der Bürgerkrieg im Südsudan hat sie aus ihrem Leben herausgerissen
Ausgabe: 2001/01, Bürgerkrieg, Sudan,
09.01.2001
- Veronika Buter
Am Dreikönigstag sammelt Missio-Austria für die Unterstützung der Kirchen in den armen Ländern. Regelmäßige Hilfe geht seit Jahren in den Süden des Sudan.
Sie lebten isoliert vom Rest der Welt. Doch dann kamen vor zwölf Jahren die Soldaten der Südsudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), die gegen den moslemischen Norden kämpft. Sie lockten die Männer mit Waffen und machten sie zu Kämpfern. Und sie versprachen ihnen die „Segnungen der Zivilisation“. Für die Kacipos ist unter den Salven der Gewehre die traditionelle Welt zerbrochen. Zwei junge Priester setzen sich für ihre Rechte ein. Elefantengras. Meterhoch. Mit jeder Bewegung ritzt das Grün winzige Schnitte in Pater Carlos’ Unterarme. Dicht vor dem Gesicht des Missionars baumelt das Gewehr seines Vordermannes. Nur ungern lässt die Distriktverwaltung den Priester ohne Begleitschutz. Denn schließlich ist Krieg im Südsudan. Zwei Stunden später erreicht der Treck das Dorf Atra. Vor den ersten Hütten sitzen Männer unter einem Baum, die Dorfautoritäten. Wie es die Sitte verlangt, begrüßt Pater Carlos zuerst den „Bürgermeister“. Man sitzt zusammen und palavert. „Wir wollen den Kacipos helfen, sie selbst zu bleiben angesichts der großen Umwälzungen in ihrem Leben“, erklärt Pater Carlos das Ziel seiner Arbeit. Und diese beginnt damit, Freundschaft zu schließen, das Denken, die Sorgen und Nöte der Kacipos kennen zu lernen.
Eine Schule für die Zukunft
Erst am nächtlichen Lagerfeuer berichtet Lotok, der Katechist, was derzeit in Atra Gespräch ist. Der Südsudanese versteht die Sprache der Kacipos und ist auch sonst den Missionaren eine unverzichtbare Hilfe. „Die Dürre macht ihnen zu schaffen“, berichtet Lotok. Die Männer seien dem Vieh auf der Suche nach Wasser gefolgt und daher weit weg. Ihre Familien bereiteten sich vor, ihnen mit Sack und Pack zu folgen. „Doch sie sind hin und her gerissen. Denn sie würden gerne hier- bleiben und ihre Kinder in eine Schule schicken.“ Lotok macht eine Pause. „Pater“, fährt er mit ernster Miene fort, „die Ältesten fragen, ob die Missionare ihnen dabei helfen können.“Helfen. Genau dafür hat Bischof Paride Taban, in dessen Diözese das Siedlungsgebiet liegt, die jungen Missionare nach Boma geschickt. Denn im Handumdrehen hatte die SPLA die Kacipos für die eigenen kriegerischen Zwecke eingespannt. Nicht den Tod, sondern ein Leben in Würde predigen dagegen die christlichen Missionare. So hat ihnen P. Carlos auch vom Wert einer Schule für eine bessere Zukunft ihrer Kinder erzählt. Um so erfreuter ist der Missionar, als ihm Lotok vom Wunsch der Ältesten berichtet. Doch so einfach ist der nicht zu erfüllen: „Ich könnte ihnen eine schöne Schule hinsetzen“, sagt Pater Carlos. „Aber nur wenn wir die Leute überzeugen, dass sie einen eigenen Beitrag leisten müssen, wird es auch ihre Schule. Manchmal ist das sehr mühsam“, räumt P. Carlos ein und fügt hinzu: „Vergessen wir nicht Gottes Willen. Wir sind und erreichen nichts ohne Gott!“
Sternsinger:
Im Kampf gegen Seuche
Wenn in diesen Tagen die Sternsinger in Österreich unterwegs sind, dann gehen sie auch für das Lacor Catholic Hospital in Gulu (Uganda). Gemeinsam mit den Beschaffungsbetrieben der MIVA und mit Unterstützung der Bundesregierung hat die Dreikönigsaktion der Jungschar vor kurzem ein Akutprogramm für dieses Spital gestartet. Der Hintergrund ist tragisch. Vor einigen Monaten ist in Uganda die Ebola ausgebrochen, eine Krankheit mit meist tödlichem Ausgang. Wegen der hohen Anste-ckungsgefahr nehmen viele Spitäler die Kranken nicht auf. Anders das Lacor Catholic Hospital. Dort ist es durch intensive Pflege und effiziente medizinische Betreuung gelungen, dass von den 600 erkrankten Patienten 50 Prozent überlebt haben. Der Preis war allerdings hoch: 15 Angehörige des medizinischen Personals, darunter auch Primar Matthew Lukwiya, haben sich angesteckt und sind gestorben. Die Ursache für die Infektion war verseuchte Bettwäsche. Alle übrigen Kranken und ein Großteil der Pfleger sind aus Angst geflüchtet. Der Betrieb des Hospitals drohte zusammenzubrechen.
Nachdem der Hilferuf aus Uganda die Dreikönigsaktion erreicht hatte, wurde sofort gehandelt. Als Sofortmaßnahme wurden über zwei Millionen Schilling zur Verfügung gestellt (die Bundesregierung zahlte mit). Die MIVA besorgte Spezialwaschmaschinen zur Desinfektion der Wäsche und lieferte sie umgehend nach Uganda. Nach neuesten Meldungen beginnen die Hygienemaßnahmen bereits zu greifen. Bei der Dreikönigsaktion wird derzeit ein weiteres Unterstützungspaket geschnürt, damit es gelingt, die tödliche Seuche langfristig wirkungsvoll zu bekämpfen.