Wenn Prototypen in die Jahre kommen und Veränderungen ins Haus stehen
Ausgabe: 2001/03, Harter Plateau
16.01.2001
- Elisabeth Leitner
Wahrzeichen, Orientierungspunkt und Erinnerung an die 70er Jahre: Das sind die beiden 20-stöckigen Wohntürme am Harter Plateau. Dass ihr letztes Stündchen geschlagen hat, hat zwei Künstler animiert.
Hans Heis und Harald Schmutzhard haben das Projekt „Dead House Walking“ ins Leben gerufen. Sie wollen die 1800 Bewohner/innen in der Phase der Umsiedlung begleiten und ein Netzwerk der Kommunikation installieren. Soziale Prozesse sehen die beiden als Mittel der künstlerischen Gestaltung. Was zunächst interessiert aufgenommen und vom Land OÖ mit S 300.000,– unterstützt wurde, sorgt jetzt für Aufregung. Der Vorwurf lautet, dass die Künstler die Situation der Bewohner/innen ausnutzen, um sich selbst zu profilieren und Geld zu kassieren. Voyeurismus und Big Brother am Harter Plateau? Schmutzhard sieht die Sache anders: „Es geht hier um eine kulturhistorische Dokumentation. Ein Profifotograf fertigt z. B. Erinnerungsfotos von Familien in ihren Wohnzimmern an. Diese Fotografien werden in einer Ausstellung präsentiert.“ Noch werden Familien gesucht, die sich am Projekt beteiligen. Hannelore Schaubmaier – sie wohnt seit 1974 in einem der Wohnblöcke und ist Pfarrgemeinderätin in St. Johannes – hat bislang kaum etwas von den Künstlern bemerkt: „Unter den Mietern ist das Projekt kein Thema. Mir ist aber wahnsinnig leid um die Wohnung“, erklärt Frau Schaubmaier wehmütig. Die Nostalgie hält sich ansonsten am Harter Plateau in Grenzen. 93 % der Bewohner/innen waren für den Abriss der Hochhäuser. Abbruchbeginn ist im Jänner 2003. Diese kollektive Umsiedlung zu dokumentieren und Kommunikation zu ermöglichen, macht – solange kein Eingriff in die Privatsphäre der Mieter/innen erfolgt – Sinn.