Aktuelle Kinderbücher können mithelfen, seelische Wunden zu heilen
Ausgabe: 2001/03, Scheidung
16.01.2001
- Maria Haunschmidt
Bilderbücher können bei der Bewältigung sozialer Realitäten helfen, zum Beispiel bei der Scheidung der Eltern.
Die Linzer PÄDAK-Professorin Gabi Bauer stellt eine pädagogisch wertvolle Auswahl vor. Als Professorin für Deutschdidaktik an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz beschäftigt sie sich im Rahmen der Kinderliteratur auch mit dem Bilderbuch. Immer mehr der Bilderbücher greifen die Thematik der neuen Familienformen auf, die sich aus den zunehmenden Trennungen bzw. Scheidungen ergeben. Das Kind begegnet in ihnen bekannten Situationen, die ihm helfen, eigene Probleme zu lösen.Wesentlich ist, dass man Kinder mit dieser Art von Bilderbüchern nicht allein lässt, sondern sich mit dem Inhalt und den Assoziationen des Kindes in vertraulicher Atmosphäre und Nähe auseinander setzt.
- Anna lebt seit der Scheidung ihrer Eltern in zwei Haushalten und findet sich nur schwer zurecht. Besonders schwierig sind Geburtstagsfeste. Sie weiß nie, bei wem sie feiern soll. Eine Sprechstunde in der Schule bringt Annas Welt wieder (fast) in Ordnung. Maria Martinez, ill.: Roser Capedevila: Die zweigeteilte Anna. Aus der Reihe „Reden wir darüber“, Picus, (5 bis 8 Jahre), S 145,–.
- Das Buch „Elsa-Marie und die kleinen Papas“ drückt deutlich die Sehnsucht des Kindes nach mehr Beziehung zum Vater aus. Sieben winzig kleine Väter sind die halbe Woche auf Geschäftsreise und in der restlichen Zeit mit der Aufarbeitung der Geschäftskontakte befasst. Ihre Rolle in der Familie ist verschwindend klein. Die Frauen müssen den Alltag allein bewältigen. Pia Lindenbaum: Elsa-Marie und die kleinen Papas, Gabriel-Verlag (5 bis 8 Jahre), S 169,–.
- Da Pauls Vater die Familie verlassen hat, beschließt er, dass sein Vater unsichtbar ist. Er kann damit gut zurechtkommen, bis im Leben der Mutter Ludwig auftaucht. Diesem begegnet Paul mit eisiger Ablehnung. Erst eine wirkliche Begegnung mit seinem Vater bringt Paul eine Überraschung. Amelie Fried, ill.: Jacky Gleich: Der unsichtbare Vater, Hanser 1999 (4 bis 7 Jahre, zum Vorlesen), S 145,–.
- Nina lebt mit ihrer Mutter allein und findet das „machmal ganz schön doof“. Noch schlimmer findet das Mädchen allerdings, dass sich seine Mutter verliebt hat. Und noch dazu in einen Mann mit Bartstoppeln, einen Mann, der so ganz anders ist als Ninas Papa. Allerdings gewöhnt sich Nina an den Mann mit dem kratzigen Bart, der auch gern etwas mit ihr unternimmt. Farbenfrohe Bilder und ein versöhnlicher Schluss lassen darauf schließen, dass sich Nina mit der neuen Familiensituation anfreunden wird. Jutta Boeck, ill.: Ilka Felsmann: Mama hat sich verliebt, Herder-Verlag (4 bis 7 Jahre, zum Anschauen und Vorlesen), S 166,–.
Gabi Bauer
Infors für Eltern
Kinder erziehen, nicht vergöttern
Die bekannten deutschen Zeitschriften „Psychologie heute“ und „Der Spiegel“ wollen nicht zu einer Macht ausübenden Pädagogik zurückkehren, aber sie sprechen sich gegen den verwöhnenden Erziehungsstil heutiger Schlaraffenland-Kinder aus. Das heißt im Klartext: - Anstatt sich ausnützen und erpressen zu lassen und ständig alle Wünsche nach Konsumartikeln, fernsehen, aufbleiben, Ausgehzeiten ... zu erfüllen, alles auf ein vernünftiges Maß beschränken und auf der Einhaltung von Regelungen bestehen. -Kein voreiliges In-Schutz-Nehmen bei Streit, sondern faire, eigene Konfliktlösungen ermöglichen und zulassen. - Altersgerechte Eigenverantwortung und Mithilfe, wie Einbindung in häusliche Aufgaben.