Heftig diskutiert: „Frauenfreundliche“ Arbeitszeiten - Was soll das sein?
Ausgabe: 2001/04, Teilzeit, Frauenarbeit
23.01.2001
- Elisabeth Leitner
Beschäftigung durch Teilzeitarbeit oder Teleworking ist für Frauen eine Chance, sich am Arbeitsmarkt zu integrieren und Zeit für Privates zu haben, so sagt man. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus.
Sabine hat ihr Büro zu Hause: „Das ist praktisch, glauben viele. Denn während der Arbeit kann ich die Kinder betreuen und gleichzeitig die Hausarbeit erledigen.“ Die junge Mutter arbeitet 20 Stunden für ihre Firma. Ihre Kolleginnen sieht sie selten. „Ich bin meist nicht dabei, wenn es darum geht, Entscheidungen zu fällen. Neue Jobangebote und Weiterbildungsmöglichkeiten kann ich auf Grund der Betreuungspflichten nicht wahrnehmen.“ Sabine tritt beruflich auf der Stelle, das Geld braucht sie, um zu leben.
Das eben skizzierte Schicksal von Sabine teilen viele Frauen. Das Symposium „Arbeitszeitmodelle – frauenfreundlich und innovativ“ (Veranstalter: Die Grünen OÖ) beleuchtete die Arbeitswelt von Frauen. Nach einer Analyse des Ist-Zustands ging es darum, Arbeitszeitmodelle zu finden, die Frauen selbstbestimmt leben lassen. Arbeit soll ein Mittel sein, um leben zu können und nicht umgekehrt, so die Forderung der Frauensprecherin Doris Eisenriegler von den Grünen. Wie ist das nun zum Beispiel mit Teleworking (Computerarbeit, die zu Hause erledigt wird) oder mit Teilzeit, die auch im öffentlichen Dienst mehr und mehr forciert wird? Wenn das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft unter dem Titel „Rekordbeschäftigung in Österreich“ verlauten lässt, dass die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zur Beschäftigungssteigerung beitrug und immerhin 4000 Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte einen Job fanden, sorgt das nicht unbedingt für Jubel und Beifall. „Der schizophrene Ruf konservativer Wende-Politiker nach unbeschränkten Ladenöffnungszeiten bei gleichzeitigem Festhalten an tradierten Rollen zwingt die Frauen zu einem Spagat, welcher immer schwerer zu bewältigen ist“, kritisiert Eisenriegler diese Erfolgsmeldung. Teilzeitarbeit hat sich auch zum „Abstellgleis“ für Frauen entwickelt. Eine Untersuchung der Arbeitssituation in der Diözese Linz hat gezeigt, dass Frauen mehrheitlich teilzeitbeschäftigt sind (53,8 %), Männer im Vergleich dazu nur zu 21, 7 %. Jedoch: Einmal Teilzeit, immer Teilzeit und das bedeutet keine Aufstiegschancen zu haben, nicht als „vollwertiges“ Mitglied der Erwerbsgesellschaft zu gelten, immer weniger zu verdienen als die männlichen Kollegen.„Teilzeitjobs müssen auch auf der Führungsebene eingeführt werden, damit Teilzeit emanzipatorisch wirken kann“, erklärt Dr. Ingrid Mairhuber vom Institut FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt). Emanzipatorisch heißt hier, dass die bezahlte und unbezahlte Arbeit unter den Geschlechtern gleich verteilt wird. Das bedeutet natürlich Machtverlust für die Männer, aber auch Produktionsgewinne für die Unternehmen und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In Finnland wurden mit einem „6+6 Modell“ (6 Stunden Teilzeit jeweils für Männer und Frauen). beachtliche Erfolge erzielt.
Wie die „Halbe-Halbe“- Forderung zu erreichen ist, darüber herrscht bei der Podiumsdiskussion zunächst Ratlosigkeit. Wie bringt frau Männer dazu, Hausarbeit zu leisten und Kinder zu betreuen? Ein Hoffnungsschimmer tut sich auf, als Hannelore Hellermann (Alternative & Grüne Gewerkschaft) am Podium erzählt: „Seit Taxi Orange soll es Männer geben, die abwaschen nicht mehr so schrecklich finden ...“ Gelächter im Saal. „Wenn Taxi Orange Rollenbilder korrigiert, ist das in Ordnung“, ergänzt Eisenriegler schmunzelnd. Dass es trotz Taxi Orange noch ein weiter Weg bis dahin ist, liegt auf der Hand.