„Was sind die Herausforderungen der Zeit für uns als Krankenhausorden?“ Das fragten sich die Elisabethinen in Linz. Seither hat sich viel verändert.
Das Spital der Elisabethinen hat den Ruf einer „Hochburg“ der modernen Medizin. „Vor einigen Jahren“, so erzählt Schwester Barbara Lehner, „fragten wir uns, ist das alles, was wir wollen: Menschen mit dem besten Stand der Medizin zu helfen, rasch wieder gesund zu werden. Was ist mit denen, die nicht mehr geheilt werden können. Welchen Platz haben die bei uns?“ Eine brisante Frage, gerade angesichts des enormen Kostendruckes, wo die am besten aussteigen, die eine möglichst kurze Verweildauer der Patienten erreichen?“ Innerhalb der Ordensgemeinschaft habe es viele intensive Gespräche gegeben, was würde unser Vorbild Elisabeth heute tun, erinnert sich Schwester Barbara. „Sie würde wahrscheinlich nichts gegen die moderne Medizin haben, wo sie Menschen helfen kann. Sie würde sich im Krankenhaus aber besonders denen zuwenden, deren menschliche und oft auch körperliche Not am größten ist: unheilbar Kranken und Sterbenden.“
Viel Überzeugungsarbeit
Aus diesen Überlegungen entstand vor fünf Jahren das erste Projekt, palliative (schmerzlindernde) Medizin und Hospizbetreuung stationsübergreifend einzuführen. „Es war ein mühsamer Weg mit viel Überzeugungsarbeit und mehreren Anläufen, bis es so verwirklicht werden konnte, wie wir uns das vorgestellt haben“, meint Sr. Barbara. Unter der Ärzteschaft habe es erhebliche Widerstände dagegen gegeben. Sie fürchteten um den Ruf des Krankenhauses, das das Image einer „Sterbeklinik“ statt eines modernen „Zentrums der Heilkunst“ bekommen könnte. „Ich denke“, so Sr. Lehner, „dass es nicht wenigen Ärzten von ihrer Ausbildung und ihrem Selbstverständnis her schwer fällt, die Grenzen ihrer Möglichkeiten anzunehmen und die Therapie von heilenden Maßnahmen umzustellen auf das bloße Lindern von Schmerzen, damit der Patient seinen Lebensweg in Würde zu Ende gehen kann.“ Letztendlich aber sei es doch gelungen, die Mitarbeiter/ innen davon zu überzeugen, dass Palliativmedizin und Hospizarbeit in unserem Haus nicht fehlen darf – „gerade weil wir einen Onkologie-Schwerpunkt (Krebsbehandlung) haben.“
Spürbare Veränderungen
„Seither hat sich in unserem Haus vieles geändert“, ist Schwester Barbara überzeugt. Auf den Stationen sei man hellhöriger geworden in Richtung Schmerztherapie und Symptomkontrolle; die Ärzte und Schwestern des Palliativteams werden gerne zur Unterstützung und Beratung angefordert. Die Verwaltung des Hauses sorgt entschlossen dafür, dass entsprechende Zimmer und Betten für die Betreuung unheilbar Kranker und Sterbender frei sind. „Und wir kümmern uns auch darum, was wir früher kaum bedacht haben, dass keiner dieser Patienten entlassen wird, wo nicht vorher das soziale Umfeld geklärt ist. Schwester Mathilda nimmt Kontakte mit Angehörigen auf und hilft bei der Organisation mobiler Hilfsdienste; weil das so wichtig ist, stellen wir demnächst zusätzlich einen Sozialarbeiter an. Unsere Ärzte informieren und beraten mit großem Einsatz die Hausärzte. Und die Zusicherung, dass die Patienten jeder Zeit wieder kommen können, nimmt von ihnen und den Angehörigen einen großen Druck“, sagt Sr. Barbara. Für ein Krankenhaus ungewöhnlich ist wohl auch, dass man die Angehörigen einlädt, miteinander einen Gottesdienst für die Verstorbenen des letzten Monats zu feiern. „Das hat sich aus der Begleitung von Abschiednehmenden und Trauernden ergeben und wird dankbar angenommen“, meint Barbara Lehner. Rückblickend meint sie, dass innerhalb der Ordensgemeinschaft wie auch im Krankenhaus „der Geist unseres Ordens wieder spürbarer wurde und wir unserer Berufung in der heutigen Zeit näher gekommen sind. Es hat sich viel verändert und wir möchten diesen Weg weitergehen – in Richtung einer eigenen Hospizstation. Sie sollte in unserem Haus nicht fehlen.“
Am 2. Februar begeht die Kirche den Tag des „geweihten Lebens“. Im Blickpunkt stehen dabei die Orden, Säkularinstitute und Gesellschaften des apostolischen Lebens.
Hospizarbeit: nichts wert?
„Die Betreuung von unheilbar kranken oder sterbenden Menschen ist für das Krankenhaus ein Defizit. Es gibt keine besonderen diagnostischen und therapeutischen Aufwendungen und daher auch keine Punkte, nach denen abgerechnet wird. Und die Pflege wird ohnedies nicht bezahlt“, sagt Barbara Lehner von den Elisabethinen in Linz. Die österreichweit sehr unterschiedliche, aber durchwegs unzureichende Finanzierung von Palliativmedizin und Hospizarbeit kritisiert auch Arnold Schett aus Innsbruck. So müsse die Caritas für die Hospizstation in der Senngasse vom Jahresbudget von acht bis neun Millionen Schilling ein Drittel aus eigener Tasche zahlen. Rund zwei Millionen bringen die Patienten selber auf. 3,5 bis 4 Mill. kommen von Krankenkassen und Land. Die Kassen zahlen 600 Schilling pro Tag. Das reiche nicht einmal für Ärzte, Medikamente und Pflegemittel. Gesetzlich müssten sie aber nicht einmal das zahlen. Daher fordert Schett, die Leistungen der stationären und mobilen Hospizbetreuung endlich in den Leistungskatalog der Kassen aufzunehmen.