Das besondere Interesse des Evangelisten Lukas gilt in dieser Berufungsgeschichte Simon Petrus. Bemerkenswert ist, dass Jesus nicht durch ein Wort beruft, sondern durch ein „Wunder“. Jesus lässt Simon und seinen Gefährten eine Erfahrung machen. Er lässt sich dazu ein auf ihre Lebenswelt, er steigt in das Boot und bittet Simon hinauszufahren. Das heißt, Jesus nimmt seinen Dienst in Anspruch, er bittet ihn um etwas, das er leisten kann. Im Weiteren testet er ihn in seiner Eignung für die Nachfolge. Es ist ein ungewöhnlicher Eignungstest, er fordert ihn auf, noch einmal hinauszufahren und die Netze auszuwerfen, und das am Tag – für einen Fischer abwegig und unvernünftig.
Simon traut Jesus, dass er nichts Unsinniges will. Das Vertrauen wird belohnt mit einer Erfahrung, die für ihn so überwältigend ist, dass er beschämt ist und in die Knie geht. Er macht eine Gotteserfahrung, eine spirituelle Erfahrung durch ein Erfolgserlebnis. Er erfährt, dass der Erfolg nicht Ergebnis seines Könnens ist, sondern geschenkt, von Gott gewirkt.
Eine radikale Selbsterkenntnis ist verbunden mit dieser Erfahrung, sie gipfelt in der Aussage: „Ich bin ein Sünder.“ Seine Unzulänglichkeit, ja seine Nichtigkeit, seine Grenzen des Machenkönnens werden ihm bewusst. Sehr unvermittelt ergeht jetzt, als Höhepunkt der Berufungsgeschichte, Jesu Verheißung an ihn: „Von jetzt an wirst du Menschen fischen!“ Gott hat Größeres mit dir vor, er traut dir ganz anderes zu, meint diese Verheißung. Das eigentliche Wunder begegnet uns in der Wende, die diese Erfahrung im Leben des Simon bewirkt, er lässt alles zurück, er folgt Jesus. Die tief greifende Selbsterkenntnis aufgrund des machtvollen Wirkens Gottes in Jesus ist wesentlich für seine Eignung zur Nachfolge.
Am Beispiel des Petrus wird uns gesagt, dass Gott den Menschen in seinen Dienst nimmt, auch heute. Er beruft nicht perfekte Menschen, er kann aber nur die Menschen rufen , die offen sind für die Erfahrungen seiner Gnade. Gott berührt uns Menschen, wie es auch in der Lesung von Jesaia berichtet ist. Das Bewusstsein um und die Annahme der eigenen Unzulänglichkeiten ist ganz wesentlich, um glaubwürdig Menschen für Gott ansprechen zu können. Es braucht Sensibilität für den Menschen und Respekt vor der Lebensgeschichte der Menschen, die immer auch geprägt ist von Schwäche und Scheitern. Menschen-fischer sein darf nicht bedeuten, Menschen zu manipulieren für die eigenen Interessen, sondern ihnen ihre wahre Größe bewusst zu machen. Es braucht vor allem das Zutrauen, dass Gottes Möglichkeiten mit den Menschen unsere Vorstellungen übersteigen und dass er mit jedem Menschen seinen Weg geht.