Gespräche über Sexualität und die Beziehung allgemein kommen zu kurz
Ausgabe: 2001/05, Sexualität, Loewit
30.01.2001
- Maria Haunschmidt
„Was ist das Grüne in der Suppe?“, fragt er, der das Grüne nicht als Kapern erkennt. „Wenn es dir nicht passt, kannst ja woanders hin essen gehen!“, antwortet sie darauf.
Ein klassisches Beispiel einer falsch laufenden Kommunika- tion – wie sie im unspektakulären Alltag eines jeden Paares stattfindet. Alle Bereiche sind von Kommunikationsstörungen betroffen, besonders auch die Sexualität – selbst wenn heute angeblich alle alles über Sex wissen. „Sexualität ist Botschaftsträger, wie es mit der Beziehung insgesamt steht!“, meinte Univ.-Prof. Dr. Kurt Loewit bei einer Veranstaltung über Beziehungsfallen zum Thema „Die Sprache der Sexualität – und die Sprachlosigkeit in Beziehungen“ der VHS in Linz. „Sich gegenseitig Wünsche, Bedürfnisse und Phantasien mitteilen!“, riet Dr. Kurt Loewit: „Diese Gespräche finden oft nicht statt!“, bedauerte der frühere Leiter der sexualmedizinischen Ambulanz der Universitätsklinik für medizinische Psychologie und Psychotherapie, Innsbruck. Er meinte außerdem: „Wenn wir das mehr täten, würde es viele Affären und letztlich Ehescheidungen nicht geben“. – Dass uns in Sachen Sexualität nicht nur im sprichwörtlichen Sinn die Worte fehlen, steht auf einem anderen Blatt. „Zauberworte“, die in der Beziehung mehr als alles andere zählen, sind: Den anderen wahrnehmen, Zuwendung, Wertschätzung und Sich-Raum-Geben. Viele Missverständnisse entstehen auch aus der „unterschiedlichen Männer- und Frauensprache“. Dabei könnten die Andersartigkeit und das Hinhören „mit dem richtigen Ohr“ bereichernd für beide Geschlechter sein.
Glut unter der Asche
Wenn Paare nur mehr streiten, kann das eine Verlagerung der sexuellen Energie auf eine andere Ebene sein. In so schwierigen Fällen muss man nachschauen, ob noch Glut unter der Asche ist, wenn nötig mit Hilfe von außen. Wenn es passt in der Beziehung, dann ist Sexualität ein Lebenselexier und Jungbrunnen, auch in lang dauernden Beziehungen.Mögliche Gründe für die heute oft geortete Lustlosigkeit: Stress, Versagensängste, Rollenunsicherheiten und äußere Einflüsse (Umwelt). Wie Erwachsene Intimität und Zärtlichkeit erleben, geht oft auf Erfahrungen aus frühester Kindheit zurück. Univ.-Prof. Loewit: „Wir sind geschlechtliche Wesen vom Babyalter bis ans Lebens-en-de, selbst wenn die Bedürfnisse nicht ausgelebt werden.“ Sexualität im engen Sinn brauche man nicht wie Essen und Trinken, zum Beispiel als Single. Vorrangig ist, dass man als Mensch in ein Beziehungsfeld eingebettet, geachtet, geliebt und angenommen ist.