Scheidungs- und Trennungsbegleitung als hilfreiches Angebot der Kirche
Ausgabe: 2001/26, Scheidung, Trennung, Begleitung, Kirche
26.06.2001
- Maria Haunschmidt
„Ich war lange Zeit kraft- und bewegungslos. Erst jetzt spüre ich wieder sowas wie Freude am Leben!“, so erzählt Birgit von der Scheidungsphase.
Ob man es wahrhaben will oder nicht: Trennungen und Scheidungen nehmen zu. Trauer, Enttäuschung und Versagensgefühle müssen aufgearbeitet werden, nicht zuletzt wegen der betroffenen Kinder. Die kath. Kirche reagiert mit hilfreichen Angeboten. Diese werden auch vom Ministerium für Generationen und soziale Sicherheit gefördert. Versöhnliches ist angesagt
Da ist z. B. jene Frau, die sich von ihrem alkoholkranken Mann trennte und nun Schuldgefühle wegen der Kinder hat. In einem anderen Fall ging der Mann mit der Freundin auf und davon. Bei der verlassenen Ehefrau hat sich Wut und Ohnmacht aufgestaut. In der Diözese Linz bot man heuer erstmals Trennungsbegleitung für Elternteile mit ihren Kindern an. Acht Frauen, ein Mann und 13 Kinder beschäftigten sich in einer Seminarreihe über fünf Wochenenden intensiv mit ihren Erfahrungen nach der Trennung bzw. Scheidung. „Das Leben als Reise in die Zukunft“ – so lautete das Motto. „Zurückschauen ist notwendig, aber nicht nur, um zu wühlen und Schuld zu suchen, sondern schon mit dem versöhnlichen Blick nach vorne“, findet Seminar-Begleiterin Maria Klaffenböck.
Die Erwachsenen begaben sich im übertragenen Sinn auf eine Bergwanderung. Sie schauten an, was gut war und was sie für die Zukunft davon in den Rucksack „einpacken“ bzw. was sie zurücklassen an Schmerz, Wut, Verletzungen und Schuldgefühlen. Wie lässt sich mit dem nach vorn gerichteten Blick das Leben wieder aktiv gestalten? „Spannend war an dem Seminar“, so die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Maria Klaffenböck, „dass sich die Leute in verschiedenen Phasen befanden und voneinander lernten.“ Der einzige Mann fand es wohltuend, dass er die Frauensicht kennen lernte. Sein Problem: „Ich habe in meinem Freundeskreis keinen Mann gefunden, mit dem ich ernsthaft über meine inneren Verletzungen reden konnte.“ Der Austausch mit einem zweiten Mann hätte ihm hier gut getan. Die Erfahrung der Lebensberaterin: „Männer gehen mit der Trennung nach außen hin sachlich um und haken das Erlittene ab. Das Unaufgearbeitete holt sie aber immer wieder ein.“ Ob Mann oder Frauen: „Es tat gut, begleitet zu werden“, so der Tenor aller Teilnehmer/innen.
Wenn es innen so weh tut
„Ich mag den Papa, aber Mama tut so, als ob er böse wäre!“ Wie soll ein Kind mit einer solchen Situation fertig werden? Analog zu den Elternteilen wurden 13 Kinder von zwei Trainerinnen betreut: Hier war sehr viel Verunsicherung und Aggression festzustellen, letztere vor allem bei den Buben. Mit dem auf Kinder abgestimmten „Rainbows“-Konzept verarbeiteten diese ihren Trauerprozess. Verpackt in eine Schiffsreise begaben sie sich in die Zukunft. Den Kindern wurde gezeigt, wie sie selbst das Steuer in die Hand nehmen können und sich nicht mehr den Konflikten der Erwachsenen ausgeliefert fühlen. Ein Bub: „Ich habe Kinder kennen gelernt, denen es so geht wie mir. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so allein!“
Seminarangebote in den verschiedenen Bundesländern sind bei der ÖPA (Österr. Plattform für Alleinerziehende) unter 03 16/67 53 44 (Tel. und Fax) zu erfragen.