Die Gegenwart ist die Epoche der Mobilität. Weder Cabrio noch Düsenjet können aber den alltäglichen Schritt von Mensch zu Mensch ersetzen.
„Beweg dich, versuch deinen Aktionsradius zu vergrößern, steh auf“, diese inneren Antriebe sind in jedem Menschen grundgelegt. Vom Augenblick der Geburt an lernen wir, uns auf andere zu orientieren und zuzubewegen. Es ist faszinierend zu erleben, wie ein Kind in den ersten Monaten des Daseins täglich seinen Lebensraum wahrnimmt, erfasst und vergrößert. Was mit mühsamem Umdrehen beginnt, wird langsam zum Ausstrecken und Krabbeln, zum Knien und Sich-Aufrichten. Bald sind die ersten unsicheren Schritte vergessen und es scheint, als ob es die ganze Welt zu erobern gälte.
Nicht nur einzelne Menschen, Gesundheit vorausgesetzt, leben mit und von der Begabung, sich fortzubewegen. Vom Beginn an zogen unsere Ur-Vorfahren von Ort zu Ort. Auf der Suche nach Nahrung und günstigen Lebensräumen legte man Tausende Kilometer zurück, auf eigenen Füßen natürlich. Manche Nomadenvölker sind noch heute über ansehnliche Distanzen unterwegs. Und damit sind nicht die Touristenströme gemeint, die gerade jetzt zur Sommerszeit sich durch halbe Kontinente quälen. Die wenigsten Urlauber sind freilich zu Fuß unterwegs, wiewohl die Fortbewegung auf eigenen Beinen seit Beginn des Lauf-Booms eine neue Wichtigkeit erhalten hat.
„Zu Fuß“ – welche Bedeutung hat diese erste Fortbewegungsart, durch Jahrtausende die einzige, im Jahr 2001 noch? Völker durchzogen einst Erdteile, Wanderbewegungen veränderten politische und ökonomische Zustände. Auch das Erste (Alte) Testament beschreibt eindringlich die Wanderschaft des Volkes Israel, begleitet von Gott, der es aus Ägypten führte. Gott „geht“ mit. Er fliegt nicht über den Wolken oder ist das U-Boot unter uns. Des Menschen Schrittlänge ist Gottes Maß, beim krabbelnden Kleinkind, beim hinkenden Kranken, beim weit ausschreitenden Erwachsenen, beim schlurfenden Alten. Jesus – Gottes menschlichster Ausdruck – heilte Lahme, verhalf zum Gehen, ermöglichte den aufrechten Gang. Flugzeuge, Schnellbahnen oder Autos machen nicht wirklich mobil: es ist zuerst der Schritt der eigenen Füße, für die täglich beim Aufstehen Dank und Lob angebracht sind.